Wolfgang R. Langenbucher

Ich sehe mich als Institutionenbauer

Veröffentlicht am 24. April 2018

Rückblick auf mehr als ein halbes Jahrhundert im Fach: Zum 80. Geburtstag von Wolfgang R. Langenbucher am 24. April 2018 veröffentlicht BLexKom eine Kompilation von sechs Interviews, die zwischen 2003 und 2007 geführt wurden (vgl. Meyen/Löblich 2007: 201-226).

Stationen

Geboren am 24. April 1938 in Pforzheim. 1958 bis 1963 Studium in Stuttgart und München (Philosophie, Volkswirtschaftslehre, Germanistik, Zeitungswissenschaft). 1963 Promotion bei Hanns Braun. Titel der Dissertation: Der aktuelle Unterhaltungsroman (Langenbucher 1964). Assistent von Otto B. Roegele. Mitverfasser des Memorandums zur Journalistenausbildung des Deutschen Presserats (Januar 1971). 1972 bis 2006 Mitherausgeber der Publizistik. 1973 Mitglied der Kommission für den Ausbau des technischen Kommunikationssystems. 1974 Habilitation an der Philosophischen Fakultät I (Philosophie und Geschichte) der Universität München. Titel der Habilitationsschrift: Kommunikation als Beruf. Ansätze kommunikationswissenschaftlicher Berufsforschung (nicht veröffentlicht; vgl. Langenbucher 1974/75). Aufbau des Diplomstudienganges Journalistik in München. 1975 dort zum Professor ernannt. 1976 bis 1978 Vorsitzender der DGPuK. 1984 bis 2006 Lehrstuhlinhaber an der Universität Wien.

Gab es in Ihrer Kindheit etwas, was auf eine Universitätskarriere hingedeutet hat?

Das ist schwierig. Mein Vater war bis 1945 Literaturhistoriker. Seine Bücher haben in den Nationalsozialismus gepasst. Er hat seine Verfehlungen gesehen, eine Auszeit genommen und später dann als Lektor und Programmdirektor in einer Buchgemeinschaft gearbeitet. Ich habe dadurch Kontakt mit Verlegern gehabt und als Student vor allem davon gelebt, Manuskripte und Bücher für diese Buchgemeinschaft zu prüfen.

War es bei dieser Herkunft normal, Zeitungswissenschaft zu studieren?

Dass ich studiere, war klar. Aber nicht Zeitungswissenschaft. Dorthin bin ich auf einem Umweg gekommen. Meine Eltern haben in Stuttgart gelebt, und ich habe dort bei Max Bense und Fritz Martini begonnen. Der eine war Philosoph und der andere Literaturwissenschaftler. In Volkswirtschaftslehre hat mir der Kurs Buchhaltung dann so sehr gestunken, dass ich mir etwas Neues gesucht habe. Es gab einen vagen Berufswunsch: Journalist. Das war tatsächlich nicht mehr als eine Idee, weil es die vielen Studienberater und Praxisbücher noch gar nicht gab. Ich habe dann nach einem Fach gesucht, das etwas mit Journalismus zu tun haben könnte, und bin so nach München gekommen, zur Zeitungswissenschaft. Die Stadt war für mich eine Offenbarung, genau wie später Wien. Nach Stuttgart wollte ich nie mehr zurück.

Was hat Ihr Vater zu diesem Berufswunsch gesagt?

Das weiß ich nicht mehr so genau. Meine Eltern hatten fünf Kinder. Sie haben sich zwar um die Berufswünsche gekümmert, aber so intensiv war das nicht. Mein Vater hat dafür gesorgt, dass ich Geld verdienen konnte, indem er mir auch Bücher zur Rezension gab, von denen er schon wusste, dass sie nicht infrage kamen für die Buchgemeinschaft. Aber ich konnte meine 50 Mark Lektorenhonorar kassieren. Ansonsten hat er sich nicht viel um mein Studium gekümmert. Er hat einmal zufällig Heinz Starkulla in München getroffen, in einem berühmten Lokal, und ich erinnere mich, dass Starkulla sehr betont hat, dass ich ein guter Student sei und meinen Weg schon machen werde. Da war mein Vater zufrieden.

Wolfgang R. Langenbucher mit Absolventen des Diplomstudiengangs an der LMU (Quelle: Privatarchiv Michael Meyen)

Wie hat man sich das Studium der Zeitungswissenschaft um 1960 vorzustellen?

Es waren so wenige Studenten, dass es jede Lehrveranstaltung nur einmal gab. Ein Proseminar, eine Vorlesung, eine praktische Vorlesung von einem Lehrbeauftragten der Süddeutschen Zeitung oder vom Bayerischen Rundfunk. Ich habe dadurch schnell Kontakt zu den Redaktionen gehabt und Radiosendungen geschrieben. Teilweise einstündige Sendungen, für die man richtig viel Geld bekommen hat. Das Institut war ein Minibetrieb. Maximal vier, fünf Lehrveranstaltungen, die man besuchen konnte. Sie können es nachlesen in meinem Studienbuch, Sommersemester 1958. Im Wintersemester habe ich dann etwas gemacht, was für meine akademische und intellektuelle Entwicklung entscheidend war. Wolfgang Stegmüller, Einführung in die Logik. Stegmüller war der erste moderne Philosoph in München. Ein Österreicher aus der amerikanisch-englischen Schule. Dazu kam Emerich Francis, der Soziologe. Von ihm vor allem hat unsere Generation gelernt. Ein moderner Soziologe, nicht aus der deutschen geisteswissenschaftlichen Tradition.

Was haben Sie von Francis gelernt?

In seiner Vorlesung haben wir das erste Mal etwas von Kommunikationswissenschaft gehört. Hovland, Propagandaforschung, Methoden. Die Zeitungswissenschaft wusste gar nicht, was Methoden sind. Und wo sie es doch mit Methoden versucht hat, war das völlig naiv. Die Methoden haben wir erst bei Francis gelernt. Und das parallel zu einer Vorlesung von Aswerus über „Das Zeitgespräch der Gesellschaft als Gegenstand der Zeitungswissenschaft“ (vgl. Aswerus 1993). In dieser Kombination musste es zum Aufstand kommen. Aswerus war für mich old fashioned.

Hans Wagner hat gesagt, Aswerus habe ihn für die Zeitungswissenschaft begeistert (vgl. Wagner 2017).

Der Rest der Studierenden hat das anders gesehen. Die Vorlesungen waren dann ja auch ziem-lich schnell zu Ende. Eine Folge studentischen Protestes. Sie sehen aus meinen Aufzeichnungen, dass das nur drei Semester waren, vom Winterhalbjahr 1959/60 bis zum Winter 1960. Wenn die Vorlesung weitergegangen wäre, hätte ich sie mit Sicherheit auch weiter besucht. Ich erinnere mich, dass wir einen Aufstand gemacht haben, weil wir seine Theorie abartig fanden. Im Nachhinein weiß ich, dass wir ihm Unrecht getan haben. Er war sicher bedeutender, als wir Studenten das damals erkennen konnten. Bis heute werden ja immer wieder Bruchstücke von Aswerus aufgegriffen. Aber wie gesagt, wir haben Francis entdeckt als modernen Soziologen und fanden Aswerus einfach nicht zukunftsweisend.

Wie lief damals so ein studentischer Protest? Ging man zum Institutsleiter?

Ja. Ich war damals, wenn ich mich nicht täusche, sogar Fachschaftssprecher. Wir haben wirklich gesagt, wir wollen nicht, dass der weiter lehrt. Wir haben uns auch in der Vorlesung gegen ihn gewehrt.

Hat man als Student etwas gespürt von der problematischen Stellung, die das Fach in der Fa-kultät hatte, etwa vom Misstrauen in die „Doktorfabrik“ d’Ester (vgl. Meyen 2014, Starkulla 2014)?

Ja, das hat man uns erzählt. Es war sehr, sehr schwierig, an diesem Institut überhaupt ein Examen zu machen. Es gab damals nur die Promotion. Und dann wurde die so genannte Vordiplo-marbeit eingeführt, ohne jegliche gesetzliche Grundlage. Keiner von uns hat gefragt, ob das erlaubt ist. Wir haben es alle brav gemacht. Was heißt alle, einige wenige. Man sieht an den Promotionsstatistiken, wer überhaupt von Starkulla für würdig befunden wurde, diese Vordiplomarbeit schreiben zu dürfen (vgl. Meyen 2014).

Warum Starkulla?

Hanns Braun hat sich nicht groß darum gekümmert. Starkulla war sozusagen sein Vorzimmer (vgl. Starkulla 2014). Das waren schon seltsame Zustände, aber alles ausschließlich eine Folge der Angst vor der Fakultät, wo das Wort von der Doktorfabrik umging, die geschlossen werden muss. Das hat sich erst mit Roegele geändert. Vorher war Zeitungswissenschaft ein Randfach. Auf einem absterbenden Ast und weder herausragend noch provozierend. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie ärmlich das Fach intellektuell und inhaltlich war. Noch in den 1960er Jahre haben Manipulationstheorien und Kulturkritik geherrscht. Das hat sich erst mit dem Studentenzustrom geändert. Erst dadurch hat sich das Fach konsolidiert, über Forschungsprogramme, Buchveröffentlichungen, Tagungen und nicht zuletzt durch die Vermehrung des Personals.

Sie haben bei Hanns Braun promoviert und waren Roegeles Assistent. Können Sie die beiden vergleichen?

Braun war nie Zeitungswissenschaftler und hat auch nicht vorgegeben, einer zu sein. Er war Theaterkritiker und hat als solcher eine wunderbare Lehrveranstaltung gemacht, der ich heute noch nachtrauere: Kulturkritik anhand des Münchener Spielplans. Da habe ich alle wichtigen jungen Filmleute kennen gelernt, von Schlöndorff bis Kluge. Die haben dort anhand des Spielplans Kritik vorgetragen. Braun war sicher ein Kompromiss. Jemand, der schon alt ist, der kein Wissenschaftler ist, jemand, mit dem man dafür sorgen kann, dass die Sache ausläuft (vgl. Löblich 2004). Er hat aber ganz im Gegenteil dafür gesorgt, dass das Institut an Ansehen gewonnen hat, inspiriert und gesteuert von Starkulla.

Christoph Peters und Wolfgang R. Langenbucher (Foto: Hanno Hardt)

Und Otto B. Roegele?

Er war nicht die Figur, die wir erwartet hatten. Die Studenten, die in Richtung Examen gingen. Wir haben versucht, uns noch mit Braun zu einigen. Meiner Dissertation merkt man an, dass sie schnell geschrieben wurde. Sie ist dann trotzdem als Buch erschienen und ganz erfolgreich gewesen (vgl. Langenbucher 1964; Franzmann 2002). Gegenüber Roegele gab es große Skepsis. Auch wieder kein Wissenschaftler aus dem Fach, sondern ein Mediziner und Historiker. Und er war Journalist. Gerade Starkulla hat sicher nicht angenommen, dass nun wieder ein Praktiker kommt. Meine ganze Generation war dagegen, Praktiker zu berufen. Ich weiß noch, wie ich versucht habe, bei der Berufung von Harry Pross in Berlin dazwischenzufunken, indem ich ein Buch von ihm total verrissen habe (vgl. Langenbucher 1968).

Mit Otto B. Roegele sind Sie aber offenbar trotzdem gut klargekommen.

Roegele war weiter Herausgeber des Rheinischen Merkur, er hatte von unserer Wissenschaft keine Ahnung und musste plötzlich auf das Podium gehen und Vorlesungen halten (vgl. Roegele 1997). Er hat sich aber unheimlich Mühe gegeben. Wir saßen da und wollten sehen, wie das mit der Zeitungswissenschaft ist, wie das mit der Publizistik ist. Parallel liefen ja schon die Bestrebungen, zur Kommunikationswissenschaft zu kommen. Da war es natürlich gut, dass Roegele kein eingefleischter Zeitungswissenschaftler war. Er hat schon in seiner Antrittsvorlesung gesagt, dass es hier um die Wissenschaft von der gesellschaftlichen Kommunikation gehe (vgl. Roegele 1966). Damit war er denen, die ihn in München zum Zeitungswissenschaftler machen wollten, meilenweit voraus (vgl. Langenbucher 2006).

Warum sind Sie überhaupt Assistent geworden, wenn Roegele nicht Ihr Wunschkandidat war?

Wir haben schnell gemerkt, dass er in München längst nicht eine so katholische Veranstaltung machen wird wie im Rheinischen Merkur. Peter Glotz und ich waren ja damals quasi schon ein Tandem (vgl. Glotz/Langenbucher 1969). Wir haben immer gesagt, wir lesen einfach den Merkur nicht. Dadurch konnten wir gut zusammenarbeiten. Umgekehrt hat auch er sich uns gegenüber völlig offen gezeigt. Ich nehme an, dass er einfach froh war über Leute, die das Fach öffnen wollten in Richtung Praxis, in Richtung Zusammenarbeit mit anderen Instituten. Für mich persönlich war das auch Zufall. Ich habe nicht vorgehabt, Professor zu werden. So ein Gedanke war uns damals fremd. Ich habe mir immer vorgestellt, Chefredakteur einer Tageszeitung zu werden. Ein ziemlich guter Chefredakteur. Heute ist es leicht, das zu sagen, weil ich es nie testen musste, aber damals wollte ich nicht in die Wissenschaft. Es gab dieses Karrieremuster gar nicht, es gab kaum Institute, kaum Stellen. Für mich war das einfach eine sehr angenehme Möglichkeit, mich nicht sofort von der Universität abnabeln zu müssen, noch ein paar Jahre dort arbeiten zu können, Bücher zu machen.

Welches Verhältnis hatten Sie zu Roegele?

Er hat mich im Prinzip alles machen lassen, was ich wollte. Ohne mir jetzt zu viele Lorbeeren anzuheften: Ab Anfang der 1970er Jahre war ich so etwas wie der geschäftsführende Leiter des Münchener Instituts. Wir haben nicht viele Worte gebraucht. Es hat einfach funktioniert.

Wie haben Sie 1968 erlebt?

Ich war damals schon in der SPD. Als Sozialdemokraten wollten wir die Universität a) reformieren und b) retten vor den Linken, vor den Kommunisten, vor den Extrem-Politökonomen. Eine Gegenfigur war zum Beispiel Horst Holzer. Ich habe all seine Bücher in Grund und Boden rezensiert. Im Nachhinein tut mir das leid. Holzer ist übel mitgespielt worden (vgl. Langenbucher 2000, Scheu 2012). Er war zwar Politökonom und vielleicht auch eine Zeitlang ein dogmatischer Marxist, aber er hat trotzdem nie seine wissenschaftliche Kompetenz und seine Qualifikation vergessen.

Otto Roegele hat harte Worte gefunden für die 68er (vgl. Roegele 1997, 2004).

Insgesamt war es sehr unangenehm. Das muss man ganz klar sagen. Dass das Institut besetzt wurde, hatte natürlich mit unserem Gegenstand zu tun, aber auch mit der Person Roegele. Ich erinnere mich an Frau Mohnhaupt und Rolf Heißler. Als Sozialdemokraten konnten wir das nicht gut finden. Und wie mit Roegele persönlich umgegangen wurde, das war eine Schweinerei (vgl. Behmer 2004; Glotz 2005: 127-134). Er hat das Institut in dieser Zeit nie betreten. Glotz und ich haben das gemacht, und wir haben auch mit der Polizei kooperiert und dafür gesorgt, dass die Räumung über die Bühne ging. Andererseits waren das nur extreme Auswüchse eines Prozesses, den ich durchaus als positiv wahrgenommen habe. Heute sage ich manchmal schon „wir 68er“. Ich meine dann nicht den Terrorismus und das Sprengen von Lehrveranstaltungen, sondern die Einsicht, dass etwas Neues passieren musste.

Das Neue entlud sich auch in Gewalt.

So gewalttätig war es in München nicht. Einmal wurde einer unserer wissenschaftlichen Mitarbeiter, ein Koreaner, von einem dieser Heißlers mit einem Faustschlag zur Seite gedrängt. Viel schlimmer ist in meiner Erinnerung ein Gespräch mit Mohnhaupt und Heißler über ihre Taktik. Sie haben mit Leidenschaft vorgetragen, wie die Gesellschaft verändert werden muss. Und ich habe gesagt, es tut mir leid, aber da müsst ihr Untergrundkämpfer werden. So kann man eine Gesellschaft nicht verändern. Dass sie später tatsächlich Terroristen geworden sind, hat mir immer Unbehagen bereitet. Solange Brigitte Mohnhaupt nicht im Gefängnis saß, bin ich nie durch einen Zug gegangen, ohne vorher ins Abteil zu schauen, ob sie da nicht sitzt. Man hat vermutet, dass sie bewaffnet in Zügen reist. Ich weiß nicht, was sie gemacht hätte. Ein Blickkontakt, und wir hätten beide gewusst, wer wir sind.

Roegele (1997: 88f.) hat die Gründung der Arbeitsgemeinschaft für Kommunikationsforschung (vgl. Allwang 2008) mit den Studentenprotesten begründet und damit, dass „empirisches Arbeiten im Team“ in Zeiten der „Mitbestimmung“ durch Studenten nicht mehr möglich gewesen sei. Würden Sie das als Mitinitiator unterschreiben?

Wichtiger war, dass es in Bonn Geld für empirische Forschung gab. So etwas in einem Universitätsinstitut abzuwickeln, wäre sicher schwierig gewesen. Es gab noch einen viel banaleren Grund. Glotz musste als Landtagsabgeordneter aus der Universität ausscheiden und hat einen Nebenjob gesucht. Da war eine solche Arbeitsgemeinschaft genau das Richtige. Vielleicht haben auch die Studentenproteste mitgespielt. Es war auf jeden Fall ein Bündel von Motiven.

Hat der Blick nach Mainz eine Rolle gespielt?

Unbedingt. Viele haben immer gesagt, dass Mainz das Institut ist, das am besten funktioniert. Gerade durch die Anbindung an Allensbach.

Was haben Sie sich von der AfK erhofft?

Eine Infrastruktur für Forschungsprojekte, die ich konzipiert habe. Angefangen haben wir mit einer Befragung von Unterhaltungsjournalisten (vgl. Langenbucher/Mahle 1974). Hubert Burda hat angenommen, dass die Journalisten der Illustrierten und Magazine ihr Publikum verachten. Das wollte er untersucht wissen. Wir haben die Studie gemacht, und die AfK hat das Ganze verwaltet. Am Institut hatte niemand Erfahrungen mit dieser Art von Management.

Wäre die AfK ohne Walter J. Schütz und den Interministeriellen Arbeitskreis für Kommunikationsforschung lebensfähig gewesen?

Zumindest in den ersten Jahren bestimmt nicht. Später gab es dann auch andere Aufträge. Wir hatten sehr enge persönliche Verbindungen zu Schütz, und er hatte in Bonn doch sehr viel zu sagen. Bei uns sind viele Leute aus den Ministerien ein und aus gegangen, zum Beispiel bei den Wissenschaftlichen Gesprächen der Bundesregierung (vgl. Allwang 2008). Entscheidend war aber die Originalität der Köpfe. Die AfK hatte dabei immer ein gutes Händchen.

Würde das Fach heute anders aussehen, wenn es das kommunikationspolitische Forschungsprogramm der Bundesregierung damals nicht gegeben hätte?

Davon bin ich absolut überzeugt. Wenn man die Berichtsbände durchgeht (Presse- und Informationsamt der Bundesregierung 1974, 1978, 1986), findet man viele Projekte, die wir nur erfunden haben, weil es dieses Programm gab. Ohne das Geld aus Bonn wäre das meiste nicht entstanden. Einiges davon ist dann ja in die „normale“ Forschung übernommen worden. Zum Bei-spiel die Journalistenstudien, die Weischenberg mit Mitteln von der DFG gemacht hat (vgl. Weischenberg et al. 2006). Dazu kommt, dass viele junge Leute im Fach beschäftigt werden konnten. Diese Leute haben sich Meriten erwerben durch empirische Forschung. Dass es das heute so nicht mehr gibt, hat sicher mit dem Koalitionswechsel 1982 zu tun. Das Forschungsprogramm der Bundesregierung war sozialdemokratisch inspiriert.

Warum sind Sie in die SPD eingetreten?

Das Beitrittsformular hat mir Peter Glotz gegeben. Er war schon länger in der Partei (vgl. Glotz 2005) und hat mich stark beeinflusst. Es gab aber auch ein ganz persönliches Erlebnis. Meine Nachbarin ist mit fliegenden Fahnen zum Marxismus gewechselt. Eine Germanistin, zwei oder drei Jahre älter als ich. Sie hat mir einen Packen Bücher von bürgerlichen Autoren vor die Tür gelegt und gesagt, so etwas lese sie jetzt nicht mehr. Ich war erschrocken und habe gedacht, jetzt brauchst Du eine sichere politische Position, damit Du nicht auch eines Tages Dein Fähnlein in den Wind irgendwelcher Strömungen hängst.

Wie viel Nähe zur Politik ist einem Kommunikationswissenschaftler erlaubt?

Ich war regelmäßig sehr nah dran an der Politik und an den Politikern. Als Helmut Schmidt den fernsehfreien Tag auf seine Wahlkampfagenda gesetzt hat (1), hatte ich zum Beispiel den Auftrag, diese Idee wissenschaftlich zu begründen. Gut honoriert, aber unter wahnsinnigem Zeitdruck. Das ging, weil ich selbst auch eher fernsehkritisch eingestellt war. Schmidt ist dann mit meinem Material durch das Land gezogen und hat in seinen Reden den fernsehfreien Tag propagiert. Als das in Bonn präsentiert wurde, saß ich neben dem Kanzler, als einer seiner wissenschaftlichen Berater. Übrigens war auch Elisabeth Noelle-Neumann an dieser Runde beteiligt.

Wie fühlt man sich da?

Ich war politisch interessiert und engagiert und hatte damit nie Probleme. In der AfK haben wir Politikberatung gemacht und sehr eng mit verschiedenen Regierungen zusammengearbeitet. Damals hat man mich Jet-Professor genannt. In manchen Wochen war ich dreimal in Hamburg, Berlin oder sonst wo. Ich bin dann Ende der 1970er Jahre in München für zwei Jahre beurlaubt worden, um für Berlin ein Kabelpilotprojekt zu entwickeln (2). Wir hatten eine Million Mark und konnten dort eine Riesenkiste aufziehen. Richtiges Management. Ich habe mich nie so sehr als Forscher gesehen, sondern eher als Universitätsfunktionär. Ich habe sehr viel Forschung angeregt, aber ich kann bis heute kein Chi-Quadrat ausrechnen.

Günter Kieslich (Foto: privat)

Günter Kieslich (Foto: privat)

Ihrer Karriere hat das offenbar nicht geschadet.

Ich wäre wahrscheinlich niemals an der Universität geblieben, wenn nicht Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre das Thema Journalistenausbildung aktuell geworden wäre. Roegele hat mich in die Kommission des Deutschen Presserates gebracht (3). Eigentlich war er als Institutsvorstand eingeladen worden, aber er hat mich einfach dort abgegeben und sich selbst aus der Diskussion verabschiedet. Ich habe dann zusammen mit der Deutschen Journalistenschule in München den Diplomstudiengang Journalistik entwickelt (vgl. Meyen/Höfler 2008). Das war genau das, was mich wirklich interessiert hat. Journalistenausbildung und Wissenschaftsmanagement. Das Fach ist ab den 1960er Jahren so stark gewachsen, dass man ungeheuer viel bewirken konnte. Ich hatte das Glück, auch die entsprechenden Chancen zu bekommen. Ich war noch nicht einmal habilitiert und schon Mitherausgeber der Publizistik und Mitglied der „Kommission für den Ausbau des technischen Kommunikationssystems“. Das war für mein Alter und meine Generation dann doch untypisch.

Waren Sie besser als die anderen?

Den Herausgeber-Posten habe ich auch wieder Roegele zu verdanken. Die Publizistik hat damals sehr eng mit dem DGPuK-Vorstand zusammengearbeitet. Als Kieslich gestorben war, hat man in diesem Kreis einen Nachfolger gesucht. Roegele, Bausch, die Herausgeber. Roegele selbst wollte nicht, weil er genug Posten hatte und sich zur Hälfte noch als Journalist fühlte. Als er mich vorgeschlagen hat, konnte man ihm wahrscheinlich nicht widersprechen.

Und wie sind Sie Mitglied der KtK geworden?

Gerd Kopper 2016 in München (Foto: Markus Thieroff)

Das verdanke ich Gerd Kopper, der damals im SPD-Vorstand Referent für Medienpolitik war und zusammen mit Glotz auf die Idee kam, mich zu nominieren (4). Ganz wichtig war dort für mich die Begegnung mit Eberhard Witte, dem Leiter der Kommission. Von ihm habe ich unendlich viel gelernt.

Was lernt man in einer solchen Kommission?

Wie man eine Gruppe so führt, dass man zu einem Ergebnis kommt. Bei Witte war das eine Mischung aus großer Offenheit und straffer Führung. Erst gab es Vorträge von Experten und ellenlange Diskussionen, irgendwann aber kam er mit einem Papier von drei Seiten, und man hat nur noch über diese Feststellungen und Empfehlungen gesprochen. Ich habe das später auch immer so gemacht.

Wolfgang Hoffmann-Riem (1988: 63-72) hat seine Erfahrungen in der Enquete-Kommission für „Neue Informations- und Kommunikationstechniken“ beschrieben und dabei über parteipolitische Konflikte geklagt, die die Kommissionsarbeit geprägt hätten. Welche Rolle haben wissenschaftliche Argumente in der Arbeit der KtK gespielt?

Witte hat konsequent darauf geachtet, die Kommission zu einem Expertenforum zu machen. Für Parteipolitik gab es dort wenig Raum. Es gab aber einen Bund-Länder-Konflikt. Die Bundesländer wollten diese Kommission nicht. Dieser Konflikt erklärt ja auch, warum man vier Modellversuche (die Kabelpilotprojekte) gemacht hat. Es mussten einfach Bundesländer mit unterschiedlichen politischen Vorzeichen beteiligt werden.

Wie viel Kommunikationswissenschaft haben Sie in die Kommission einbringen können?

Schon eine ganze Menge. Ich war zwar nicht furchtbar vorlaut, weil ich einer der Jüngsten war, ich hatte aber mit Hans Bausch einen wichtigen Verbündeten. Wir haben uns immer wieder abgesprochen und im Arbeitskreis „Bedürfnisse“ tatsächlich forschen können. Dort sind wir auf die Uses-and-Gratifications-Richtung gestoßen (vgl. Blumler/Katz 1974). Ich glaube, dass vorher selten so viel Geld für kommunikationswissenschaftliche Forschung ausgegeben worden ist. Wir haben gefragt, wo die Telekommunikation helfen kann, bestimmte Probleme zu lösen, und empfohlen, dass zunächst einmal jeder Haushalt mit einem Telefon versorgt werden muss. Was nützen sieben Fernsehanbieter, wenn die Menschen nicht mit Freunden und Nachbarn sprechen und keine Hilfe holen können? Dass wir uns bei den Bedürfnissen für neue Fernsehprogramme grandios getäuscht haben, ist eine andere Sache.

1976 sind Sie DGPuK-Vorsitzender geworden. Wie wichtig waren Ihnen solche Funktionen?

Das war damals sehr wichtig. Ich habe geglaubt, dass nach den Roegeles, Ronnebergers und Noelle-Neumanns eine neue Generation an der Reihe war. Wir haben auch wirklich etwas bewirkt. Wir haben dafür gesorgt, dass aus den Tagungen ordentliche Veranstaltungen geworden sind, die man auch wissenschaftlich dokumentieren kann. Wir haben die Schriftenreihe der DGPuK gegründet (vgl. Hömberg 1978). Und wir haben eine neue Mitgliederpolitik gemacht. Wir haben durchgesetzt, dass auch einfache wissenschaftliche Mitarbeiter Mitglied werden konnten und nicht nur Ordinarien und ein paar Honoratioren aus der Praxis. All das hat das Ansehen des Fachs in der Öffentlichkeit enorm verbessert.

Sie waren der erste Zeitungswissenschaftler, der sich in München habilitiert hat. Waren Sie stolz, Roegeles bester Mann zu sein, der, mit dem er glaubte, das Wagnis eingehen zu können? Oder hatten Sie eher Angst vor einem Scheitern?

Angst nicht. Ich hätte mir gar nicht vorstellen können, dass man als Protegé Roegeles scheitern kann. Es gab eine Gegenfigur, Franz Schneider, den Politologen. Es war klar, dass Roegele alles tun würde, um seinen Kandidaten gegen Schneider durchzusetzen. Aber wenn ich die Probleme gesehen hätte, die Sie in Ihrer Frage andeuten, diese Hypothek im Hintergrund, dann wäre mir schon ein bisschen schummrig gewesen, weil meine Habilschrift wirklich kein Glanzwerk ist. Sie ist ja auch nie als Buch veröffentlicht worden. Entstanden unter schwierigsten Bedingungen, auch persönlicher Art. Ich hatte einfach nicht die Ruhe, ein richtiges Buch zu schreiben. Meiner Mitarbeiterin Doris Viertel habe ich am 16. Dezember gesagt, was Heiligabend nicht geschrieben ist, das wird nicht mehr geschrieben. Ich wollte es einfach hinter mich bringen. In den Anhang habe ich all das Material gepackt, was ich zur Journalistenausbildung hatte, damit es eine dicke Sache wird. Als Gutachter hätte ich heute Schwierigkeiten, dieses Werk Habilitationsschrift zu nennen. Die Substanz können Sie in dem Aufsatz „Kommunikation als Beruf“ nachlesen (vgl. Langenbucher 1974/75). Mehr als dieser ja ziemlich umfang- und anmerkungsreiche Aufsatz war da nicht drin.

Sie sind trotzdem schnell Professor geworden.

An der Hochschule für Fernsehen und Film war ein Lehrstuhl ausgeschrieben worden, und ich stand auf Platz eins. Roegele hat dort die Abteilung für Kommunikationswissenschaft geleitet und hatte mich schon vertreten lassen. Hans Maier wollte aber lieber den Herrn Reimers. Mir war das ganz recht. Die Filmhochschule war ein verrückter Laden, und ich war lieber an der Uni. Roegele hat zu Maier gesagt, er könne Reimers gern berufen, müsse dann aber dem Langenbucher eine Professur am Institut geben. Maier hätte sich nie gegen Roegele gestellt. So bin ich zu meiner Stelle gekommen. Eine Hausberufung hat natürlich immer einen Beigeschmack. Ich bin am Anfang auch eine Besoldungsklasse tiefer eingestuft worden. Maier hat mir einen persönlichen Brief geschrieben und versprochen, die Stelle nach einer gewissen Frist auf C3 anzuheben. So ist es dann auch gekommen.

Wäre es in dieser Zeit möglich gewesen, aus dem Studentenandrang Kapital zu schlagen und mehr neue Professuren oder mehr Mitarbeiterstellen herauszuholen? In den Münchener Studentenzeitschriften aus den 1970er und 1980er Jahren wird immer wieder geklagt über zu wenig Lehrpersonal, über zu wenig Betreuung (vgl. Höfler/Megnin 2004).

Ich weiß nicht, ob wir eine Chance hatten. Das Fach stand ja nicht auf der Prioritätenliste der Bayerischen Hochschulpolitik wie etwa das Geschwister-Scholl-Institut. Soweit ich das beurteilen konnte, verkehrte Roegele nicht im inneren Kern der bayerischen Politik und ich natürlich schon gar nicht. Was gelaufen ist, lief über den Bund. Der Modellversuch für die Journalistenausbildung und auch das ganze kommunikationspolitische Forschungsprogramm. Roegele hat seine Aktivitäten in Richtung Filmhochschule verlagert. Die war ein Liebkind der bayerischen Politik, nicht das Institut. Vielleicht hätte man beides besser verbinden können. Die üppigen Ausbauzeiten waren aber schon vorbei, als bei uns das Problem mit den wachsenden Studentenzahlen auftauchte. Unsere Lösungen waren in der Tat Flickwerk. Eine Professur für Wagner, eine für mich, dazu die Überlaststellen. Das war ein Versuch, aber der falsche. Wir waren jahrelang nur damit beschäftigt, Personal zu rekrutieren. Natürlich wäre es strukturell besser gewesen, Professuren zu schaffen mit Assistentenstellen, aber damals war uns auch die Überlastlösung willkommen. Sie hat einfach Druck abgebaut. Zum Teil hatten die Stellen 16 Wochenstunden Lehre, zumindest zwölf.

Wie ist es zu dem Journalistik-Studiengang gekommen?

Durch die Ergebnislosigkeit der Kommissionssitzungen beim Presserat. Auf einer Rückfahrt saß ich mit Jürgen Frohner im Speisewagen, mit dem Leiter der Journalistenschule. Wir haben gefragt, warum wir nicht einfach in München etwas machen. Warum wir nicht die praktische Ausbildung der Schule mit einem Studium verbinden. Und diese Grundidee haben wir dann entwickelt. Ursprünglich war das ja ein Projekt der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung, ein Modellversuch im Rahmen des Magisterstudiums. Wir konnten den Magister aber nicht für zwei völlig unterschiedliche Dinge vergeben, für Kommunikationswissenschaft und für Journalistik. Deshalb ist daraus dann der Diplomstudiengang geworden (vgl. Meyen/Höfler 2008). Mir war es ganz recht, die Journalistenausbildung auch organisatorisch völlig zu trennen von der Kommunikationswissenschaft, aber ein Diplom für Journalisten war damals eine Absurdität. In Leipzig gab es das Diplomstudium, in der roten Kaderschmiede. Das Buch von Brigitte Klump haben hier später alle gelesen (vgl. Klump 1978). Und dann die Praxis. Wir haben gedacht, dass unsere Studenten in den Redaktionen nichts als Hohn und Spott ernten.

Doris Viertel, Irene Neverla, Christina Holtz-Bacha, Renate Hackel-de Latour, Elisabeth Gallenkamp, ???, Verena Hruska, Jürgen Hein (von links, Foto: Hanno Hardt)

Hat man Sie dieses Misstrauen spüren lassen?

Nach dem Start des Modellversuchs habe ich Hans Heigert auf einer Party getroffen, den damaligen Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung. Als wir auseinander gingen, hat er mir gesagt, dass er Axel Hacke und Kurt Kister nicht eingestellt habe, weil sie bei mir studiert haben, sondern obwohl sie bei uns waren. Was ich mir gedacht habe, ist nicht druckreif, aber ich freue mich bis heute, wenn ich sehe, was gerade aus diesen beiden Absolventen geworden ist. Für die Akzeptanz der Journalistenausbildung war es natürlich nicht schlecht, dass die Dortmunder parallel auch das Diplom eingeführt haben.

Haben Sie Dortmund damals als Konkurrenz gesehen?

Auf sportlicher Ebene schon. Ich habe einmal mit Johannes Rau auf einem Podium gesessen und gewettet, wer als erster die Studienordnung genehmigt haben wird. In Nordrhein-Westfalen war das SPD-Politik (vgl. Kopper 2010, Rager 2015). In Bayern kam es von unten. Von uns, von der Journalistenschule, vom Journalistenverband, vom Verlegerverband, vom Bayerischen Rundfunk. Es wurde aber von oben toleriert. Das Kultusministerium hatte keinerlei Einfluss auf den Studiengang selbst. Uns kam natürlich entgegen, dass die Journalistenschule Geld gebraucht hat. Einen Teil der Mittel aus der Bund-Länder-Kommission haben wir direkt an die Schule weitergeleitet. Das war überhaupt das größte Problem: Wie kann eine Universität einer Journalistenschule Geld geben? Da musste der Landtag eingeschaltet werden, da gab es Gespräche mit einzelnen Abgeordneten und natürlich an der Universität. Erklären Sie den Kollegen einfach mal so, dass ein Institut zwar plötzlich fünfmal so viel Geld bekommt wie vorher, dass das Ganze aber nur ein Durchlaufposten für die Journalistenschule ist!

In München ist sehr viel Geld für sehr wenige Diplomstudenten ausgegeben worden, während die große Masse der Magisterstudenten mit sehr viel weniger Geld durchgeschleust wurde.

Das war natürlich ein Dauerkonflikt. Nur: Es war eine politische Entscheidung. Das hat vielleicht mit Elitenbildung zu tun. Die Politik hat aber beschlossen, dass sie das will. Hans Maier, der Kultusminister, der wollte das. Verglichen mit Dortmund oder Mainz oder Hohenheim war München immer preiswert. Vermutlich hat der Diplomstudent hier nur ein Drittel von dem gekostet, was der Diplomstudent in Dortmund kostet. Dort musste ja alles neu aufgebaut werden. Hilfsargumente aller Art, Legitimationsargumente, findet man leicht, wenn man die Sache als solche nicht mehr will. Dass der Studiengang in München abgewürgt wurde, das halte ich für einen Akt der Zerstörung (5).

Dieter Roß hat die Zukunft der akademischen Journalistenausbildung eher schwarz gemalt und bedauert, dass sich das Fach gegenüber der Medienpraxis immer weiter verschließt (Meyen/Löblich 2007: 166).

Die Journalistenausbildung hat das Fach in den letzten 30 Jahren vollkommen verändert. Die Diplomstudiengänge waren eine epochale Errungenschaft. Was Leute wie Pätzold, ich und noch vier, fünf andere etabliert haben, das gab es in dieser Breite vorher nicht. Unser Ziel war für jedes Bundesland mindestens eine Einrichtung zur Journalistenausbildung. Wir haben den Grund-stein dafür gelegt, dass dieses Fach von der Praxis ernst genommen wird, dass es eine Identität bekommt mit Blick auf einen bestimmten Beruf. Auch über Publikationen. Es sind Buchreihen entstanden für praktischen Journalismus. Das La-Roche-Buch, das es jetzt in der 17. Auflage gibt, das ist damals mit Unterstützung des Münchener Instituts erschienen. Und dann haben die Diplomstudiengänge einfach auch Arbeitsplätze in der Wissenschaft gesichert. Wie viele Professorenstellen sind geschaffen worden, um Journalistenausbildung machen zu können? Als der Studiengang in München in etwas anderes verwandelt wurde, bin ich von allen möglichen Leu-ten angerufen worden. Alle waren der Meinung, dass der Studiengang politisch nicht mehr gewollt war. Das Institut hätte das auch anders lösen können. Aber o.k.: Lasst es einfach eine Weile laufen. Ich bin gespannt, was herauskommt.

Was heißt das genau: politisch nicht mehr gewollt?

Vielleicht falle ich da einer Verschwörungstheorie anheim. Vielleicht hat es einfach mit der Neuordnung der Medienlandschaft in München zu tun. Die Journalistenschule hatte ja immer den Ruf, eine eher linke Einrichtung zu sein. Mir persönlich hat nie jemand vorgeworfen, dass ich mich dort mit einer linksradikalen Organisation eingelassen habe, aber in dem Buch über 80 Jahre Kommunikationswissenschaft in München wird mehrfach angedeutet, dass der Studien-gang eine linke Angelegenheit gewesen sei (vgl. Meyen/Löblich 2004). Schon die Idee, ein gesellschaftswissenschaftliches Grundstudium zu machen, war etwas eher Linkes. Als kein „Linker“ mehr da war, der diesen Studiengang verteidigen konnte, hat man ihn eben abgeschafft. Bei Herrn Stuiber sind die entsprechenden Motive sicher gar keine Frage. Und andere Kollegen hatten für Diplomjournalisten eben überhaupt kein Faible.

Wolfgang R. Langenbucher (2. von rechts) 1983 in München (Foto: Hanno Hardt)

Haben Sie sich in den 1970er Jahren in München als Vorreiter gefühlt?

München war sozusagen der Modellversuch, der bewiesen hat, dass man das kann. Damals waren die Münchener ja die einzigen, die wirklich Erfahrungen mit dem Diplom hatten. Alle sind hergekommen. Herr Gillessen hat Stunden bei uns verbracht, um für den Studiengang in Mainz zu lernen. Wolf Schneider aus Hamburg war hier. Ich weiß nicht, wer noch alles. Alle haben das Modell der Journalistenschule gesehen und waren auch interessiert an der Kombination mit der Universität. Gillessen hat dann in Mainz einen elitären Aufbaustudiengang gemacht, völlig losgelöst vom Institut. Er kam von der Frankfurter Allgemeinen und hatte mit der Kommunikationswissenschaft nichts am Hut.

Kann die Kommunikationswissenschaft Journalisten ausbilden? Sollte sie es?

Wenn man Journalisten ausbilden will, muss man gebildet sein auf dem Gebiet des Journalismus. Wenn man das nicht ist, wenn man Journalisten hasst, was ich einigen Kollegen unterstelle, dann funktioniert das nicht. Man muss wissen, was ein Journalist in der Praxis braucht, und den Studiengang darauf ausrichten. Um noch einmal auf Kurt Kister zurückzukommen: Für ihn ist es heute überhaupt keine Frage, dass er auch deshalb Karriere machen konnte, weil er den Studiengang absolviert hat. Natürlich kommt bei solchen Leuten eine genuine Begabung dazu, aber man muss auch bereit sein, etwas in diese Begabung zu investieren. Ein paar Jahre nach Amerika gehen oder eben eine Zeit lang aus dem Beruf aussteigen und studieren. Es gibt dabei ein Element jenseits aller Inhalte. Völlig unabhängig davon, was man studiert, machen diese vier, fünf Jahre aus den Leuten andere Menschen. Das ist auf jeden Fall besser als nur ein Volontariat zu machen und mit 21 Jahren in einer Redaktion verheizt zu werden.

Was kann unser Fach angehenden Journalisten bieten?

Es kann nicht darum gehen, Mini-Kommunikationswissenschaftler heranzuziehen. Ich hatte in München eine Gruppe von vier, fünf Leuten. Petra Thorbrietz, Elisabeth Gallenkamp, Jürgen Heyn, Christina Holtz-Bacha, Ruth Blaes, die ja dann eine schöne Karriere gemacht hat mit dem, was sie bei uns gelernt hat. Wir wollten die Studenten herausfordern und versuchen, ihre Praxiserlebnisse aufzuarbeiten. Wenn das der Wissenschaft entgleitet, dann sind wir Wissenschaft-ler schuld. Viele wollen die Wissenschaft gar nicht für Ausbildungszwecke ausbeuten. Die wollen die Wissenschaft als solche. Es gibt bei uns Kollegen, die sind wie ein Literaturwissenschaftler, der noch nie ein Gedicht gelesen hat. Da meine ich jetzt nicht speziell die Münchener, die aber auch. Die dürfen sich nicht wundern, wenn sie mit künftigen Journalisten nichts anfangen können.

Welches Verhältnis haben Sie zum Journalismus?

Ich bin wie ein Literaturwissenschaftler, der Thomas Bernhard verehrt. Vor großem Journalis-mus gehe ich auf die Knie. Ich interessiere mich für Journalismus als Kulturleistung. Ich weiß, dass das ein Luxus ist. 97 Prozent des Journalismus, der ganze real existierende journalistische Alltag, all das ist keine Kulturleistung. Aber die anderen drei Prozent reichen. Diese drei Prozent sind das Modell. Der deutschsprachige Journalismus hat am meisten von Figuren wie Kleist, Tucholsky oder Riehl-Heyse gelernt.

Langenbucher in einem Lehrfilm, der 1976 im Dritten Programm ausgestrahlt wurde (Screenshot: Christoph Hage)

Finden Sie sich mit dieser Position in der aktuellen Journalismusforschung wieder?

In dem Buch von Löffelholz (2004) steht fast nichts über den Journalismus, den ich wichtig finde. Da gibt es nichts über Personen, nichts über große Journalisten, nichts über journalistische Werke. Dass dort nichts über die Schlüsselfunktionen des genuinen Journalismus steht, das geht letztlich auf Manfred Rühl zurück und auf die Systemtheorie (vgl. Rühl 1969, 1980). Wir haben Rühls Dissertation in München diskutiert und am Ende gefragt, ob es in diesem Buch eine einzige Erkenntnis gibt, auf die man nicht auch ohne Systemtheorie hätte kommen können. Die Antwort war: nein, eigentlich nicht. Wo Journalismus nur noch als Produkt von Organisationen begriffen wird, dort kann man mich in den Literaturverzeichnissen nicht finden. In Wien haben wir alles dafür getan, einen Journalismusbegriff zu prägen, der nicht funktionalistisch ist und nicht systemtheoretisch. Wir haben die Studierenden Biographien großer Journalisten schreiben las-sen, wir haben Meisterwerke nachgedruckt (vgl. Langenbucher et al. 1992, Langenbucher/Hausjell 1995, Hausjell/Langenbucher 2005), wir haben eine Dozentur für die Poetik des Journalismus eingerichtet (6). In diese Linie gehört sicher auch die Serie „Vorbilder des Journalismus“, die in der Süddeutschen Zeitung erschienen ist (vgl. Jakobs/Langenbucher 2004).

1984 sind Sie aus München nach Wien gegangen. Haben Sie Ihr Lieblingskind, den Diplomstudiengang, im Stich gelassen?

Nein, eher im Gegenteil. Der Solidaritätsgedanke gegenüber meinen Mitarbeitern hat mir schon Probleme bereitet. Wir waren ein sehr enger Arbeitskreis. Viele sind gegangen, als ich weg war. Auch Jürgen Frohner hat mir das zum Beispiel sehr übel genommen. Ich hatte wirklich kein gu-tes Gewissen, habe aber geglaubt, dass die Berufung von Kurt Koszyk dieses Problem lösen wird (7). Als Koszyk den Ruf abgelehnt hat, dachte ich, mit Herrn Pürer wird es funktionieren. Der hat sich dann die Zuständigkeit für den Diplomstudiengang von Herrn Stuiber wegnehmen lassen. Warum, weiß ich nicht. Stuiber war damals bekannt als Journalistenhasser. Es war grotesk, dass so ein Mann die Verantwortung für den Studiengang bekommen hat. Andererseits konnte ich den Ruf nach Wien auch nicht ablehnen.

Warum nicht?

Für mich war das ein echter Aufstieg. Ein Ordinariat ist doch noch etwas anderes als so eine Position wie die in München, unterhalb des Ordinariats. Außerdem glaube ich, dass Professoren nicht ewig am gleichen Ort sein sollten. Die Ausschreibung für die neue C4-Stelle, die das Institut zugewiesen bekommen hatte, war von wohlmeinenden Freunden extra so formuliert worden, dass sie auf mich gepasst hätte. Aber ich war seit 1958 in München, und das war eigentlich genug. Der Ortswechsel war dann auch ein Gewinn für die Lebensqualität. Wien war meine Traumstadt.

Warum das?

In dieser Stadt war ich eigentlich schon zu Hause, als ich noch gar nicht dort gewesen bin. Ich habe in Wien unglaublich viele Bezüge zu meinem Leben entdeckt. Schon mit sechs oder sieben Jahren wollte ich zum Beispiel Wiener Sängerknabe werden. Es war ein Traum, in diesem Chor zu singen. Dazu muss man wissen, dass ich völlig unmusikalisch bin. Wien hat außerdem mehr zur Entstehung eines autonomen Journalismus beigetragen als jede andere Stadt. Genau wie bei der Musik und wie beim Theater. Und dann der Bezug zu Wolfgang Stegmüller, zur österreichischen Philosophie der 1920er Jahre. Wittgenstein, Musil, Broch. Am Tag meiner Ernennung bin ich Österreicher geworden. Die Tradition, Beamte aus dem Ausland automatisch einzubürgern, geht noch auf Maria Theresia zurück. Die Verbindung nach München habe ich aber nie verloren. Ich gehöre zu den Menschen mit zwei Wohnorten. Vielleicht bringt es ja einen Imagegewinn, wenn man wie Elfriede Jelinek sagen kann, dass man abwechselnd in Wien und München lebt.

Manfred Rühl hat erzählt, dass er in Wien auf Platz eins stand (vgl. Meyen/Löblich 2007: 96). Wer hat Ihnen bei der Berufung geholfen?

Sicher Gerd Bacher, der damals Generalintendant des österreichischen Rundfunks war. Er hat bei der Ministerin interveniert, bei Hertha Firnberg. Eine große Figur in der österreichischen So-zialdemokratie. Auch einige Freunde von mir haben bei ihr vorgesprochen. Sie hat mich dann von Platz zwei berufen.

Was haben Sie in Ihrer Traumstadt erreicht?

Als ich an das Institut kam, gab es einen zweiten Professor, zwei Assistenten und ein paar Leute, die gern dort arbeiten wollten, aber keine Stelle hatten. Als ich aufgehört habe, waren wir ungefähr 40 Leute. Institution building hat mich schon immer interessiert. Ich war fast die ganze Zeit Institutsvorstand. Für viele Kollegen ist das ein ungeliebtes Geschäft, aber ich wollte diese Dinge gern machen: Ausschreibungen entwickeln, das Vorsingen organisieren, eine Poetikdozentur durchsetzen. Deshalb habe ich jeden Tag von morgens um neun bis abends um neun im Büro gesessen und einen ganz normalen Job gemacht. Manchmal – zugegebenermaßen – auch nur bis um sechs, wenn ich in den Musikverein gegangen bin oder ins Burgtheater.

Und wissenschaftlich?

Das kann man in meiner Bibliographie nachlesen (vgl. Hömberg 1998, 2003). Walter Hömberg macht das ja bis heute. Ein ganz treuer Eckermann. Wenn man das anschaut, dann war ich ein wirklich fleißiger Herausgeber. Vielleicht ein überfleißiger. Ich habe unendlich viele Bücher herausgegeben. Und dann gibt es Aufsätze, die eigentlich Vorträge waren. Ich war dort sicher stark fremd gesteuert. Ich bin von den Medien eingeladen worden, von Betrieben, von der Politik. Dort hat man sich für meine Expertise interessiert, und ich habe dieses Interesse bedient. Außerdem habe ich mich immer sehr für die Lehre engagiert. Ich war ein fleißiger Vorlesender. Ich war wirklich jede Stunde da. Ehe eine Vorlesung ausgefallen ist, habe ich lieber einen Gastredner geholt. Schon in München habe ich ein riesiges didaktisches Projekt gemacht. Einführung in die Kommunikationswissenschaft, ein multimediales Werk (vgl. Roegele 2004: 228). Das hat jahrelang viele Leute beschäftigt (8). In Wien habe ich dann Studienbücher herausgegeben. Sie sehen schon, dass mir die Lehre immer wichtig war. Hochschullehrer zu sein, ist etwas Einmaliges. Jedes Jahr lernt man neue Menschen kennen, eine neue Generation.

Aus der Ferne nimmt man das Wiener Institut als Massenbetrieb war. Sind die vielen Studenten nicht eher Last als Lust?

Natürlich sind sie auch eine Last. Wir haben seit Jahren Anfängerzahlen in einer Größenordnung von 1000. Die Vorlesungen der ersten Semester finden alle im Auditorium Maximum statt, und die Leute sitzen trotzdem auf dem Boden. Um diesen Massen gerecht zu werden, haben wir das Studium umgebaut und erst sehr spät gemerkt, dass darunter die Forschung gelitten hat. Akzeptiert haben die Kollegen das nur, weil jede Prüfung bezahlt worden ist. Auch jede Vorlesung musste mit einer Prüfung abgeschlossen werden. Dadurch haben wir beträchtliche Nebeneinnahmen erzielt. Das war die österreichische Lösung, um den Numerus clausus zu vermeiden. Die Politik hat den Professoren durch diese Gebühren die Zustimmung abgekauft; manche meinten: sie damit korrumpiert. Je mehr Studenten, desto höher die Einnahmen. Ganz einfach.

Wolfgang R. Langenbucher (5. von links) 1983 in München (Foto: Hanno Hardt)

Gibt es deshalb in Ihrer Bibliographie kein Opus magnum?

Für große Bücher braucht man Geduld und einen großen Atem. Beides fehlt mir. Bei allem, was ich wissenschaftlich gemacht habe, war ich zu einem Viertel oder vielleicht sogar zur Hälfte Journalist. Deshalb gibt es von mir kein Standardwerk. Ich habe tausend Anregungen gegeben und mich eher wie ein findiger Unternehmer betätigt. Ich schreibe lieber einen Essay und fordere die anderen zum Beispiel auf, doch endlich Gesamtdarstellungen zu liefern und richtige Werke (vgl. exemplarisch Langenbucher 1992, 2005). Ich kündige schon jetzt an, auch als Emeritus keines dieser Bücher zu schreiben. Auch wenn es schmerzlich ist, zum Beispiel meine Vorlesung über Journalismus und Gesellschaft nicht zu diesem einen, großen Buch zu machen. Ich bin aber wild entschlossen, nach der Entpflichtung vom Dienst ein anderes Leben zu führen.

Wie viel Einfluss hatte der Publizistik-Herausgeber Langenbucher auf das Fach?

Die Publizistik ist ja eine klassische Fachzeitschrift, die Eingesandtes selektiert. Dass die Herausgeber selbst kreativ werden und gestalterisch eingreifen, ist die Ausnahme. Eine solche Ausnahme war das Vierfachheft von 1974/75. Das war der Startschuss für die Journalistenausbildung. Dieses Heft ist im Wesentlichen von Walter Schütz und von mir gemacht worden. Aber sonst? Um es ganz brutal zu sagen: Ich habe zum Beispiel nie verhindern können, dass Manfred Rühl in der Publizistik veröffentlicht, obwohl ich seine Auffassung von Kommunikationswissenschaft weder für spannend halte noch für zukunftsträchtig.

Wenn Sie die erste Herausgeberkonstellation mit der letzten vergleichen müssten: Wie würden Sie das machen?

Am Anfang hatte ich mehr Einfluss als am Ende. Wilmont Haacke hat sich immer sehr zurückgehalten, und auch Franz Ronneberger hat nie versucht, irgendetwas durchzusetzen. Ich habe das gelegentlich getan, wobei gegen Walter Schütz gar nichts lief. Er war Redakteur und Herausgeber in Personalunion (vgl. Schütz 2006). Ich habe das akzeptiert, weil die Zeitschrift auch von seinen Geldbeschaffungsaktionen gelebt hat. Das meiste Geld kam ja vom Bundespresseamt. Dass Schütz daraus auch einen inhaltlichen Anspruch abgeleitet hat, fand ich legitim.

Wie fühlt man sich als Herausgeber, wenn ein nichtpromovierter Redakteur das Blatt macht?

Dass er nicht promoviert war, hat uns überhaupt nicht gestört. Schütz war als Pressestatistiker ausgewiesen und ist völlig zu Recht hoch geehrt worden. Für uns war viel erstaunlicher, wie er neben seinem Vollzeitjob im Bundespresseamt noch die Arbeit für die Publizistik geschafft hat und ein derart exzellenter Kenner der Pressegeschichte werden konnte. Es ist aber kein Artikel veröffentlicht worden, ohne dass wenigstens einer der Herausgeber zugestimmt hat.

Hat die NS-Vergangenheit der Mitherausgeber Haacke und Ronneberger jemals eine Rolle gespielt?

Nein. Dass ich nicht dazu beigetragen habe, diese Vergangenheit aufzuhellen, gehört zu meinen eigenen dunklen Punkten. Vor allem bei Ronneberger bedaure ich, ihn nicht damit konfrontiert zu haben. Wissenschaftlich war er mit der Systemtheorie ja sozusagen die Avantgarde des Faches, ob er aber wirklich ein anderer Mensch geworden ist, weiß ich nicht. Wenn man sein Buch über die Wiedervereinigung liest (vgl. Ronneberger 1991), dann fragt man sich: Was hat er eigentlich gelernt?

Und Haacke?

Ihn hätte man dazu bringen müssen, sich zu erklären. Das hätte ihm vielleicht geholfen. Ich habe oft erlebt, dass er tatsächlich Angst vor irgendwelchen Enthüllungen hatte. Dass ich seine Vergangenheit ausgeblendet habe, hat vielleicht auch mit meinem Vater zu tun. Bei ihm habe ich erlebt, wie man sich wirklich von seinen Verstrickungen befreien kann, und habe gedacht, dass dies auch Ronneberger und Haacke gelungen sein wird. Sie hatten ja wieder einen anständigen Beruf. Aber das ist kein erfreuliches Kapitel in meiner Biographie.

Warum hatten Sie in der letzten Herausgeberkonstellation weniger Einfluss?

Das Verhältnis war vollkommen ausgewogen. Wenn es um empirische Forschung ging, habe ich mich sehr oft zurückgenommen und nur dann gegen Schönbach oder Holtz-Bacha argumentiert, wenn mir das Thema abseitig oder esoterisch erschien.

Gab es für Sie noch andere Auswahlkriterien?

Zunächst: Ist das ein guter Text? Ruht er in sich selbst? Nicht jeder Wissenschaftler kann einen guten Aufsatz schreiben. Das zweite Kriterium war die Lesbarkeit. Bringt der Aufsatz etwas oder interessiert er nur wenige Spezialisten? Das ist heute eines der größten Probleme. Das Fach ist so stark spezialisiert, dass wir häufig Aufsätze gedruckt haben, die niemand liest. Die Kriterienkata-loge kann man in den Editorials nachlesen. Die Entwürfe für diese Texte kamen in den letzten Jahren fast ausschließlich von mir.

Was bleibt von Wolfgang R. Langenbucher in der Kommunikationswissenschaft? Was sollte bleiben, wenn Sie darauf Einfluss hätten?

Die Praxisorientierung. Dazu gehört die Vermittlung nach außen, dazu gehört die Journalisten-ausbildung. Der Münchener Diplomstudiengang und in Wien die Universitätslehrgänge sind sozusagen die Edelsteine in der Krone meiner Biografie. Und wen ich noch ein paar andere Din-ge dazunehme, dann sehe ich mich als „Institutionenbauer“. Gegen dieses Etikett hätte ich nichts einzuwenden.

Anmerkungen

  • 1 Schmidt hatte die Anregung, einen Tag in der Woche ohne Fernsehen zu verbringen, am 2. Mai 1978 in der Wochenzeitung Die Zeit veröffentlicht. Auf einer medienpolitischen Fachtagung der SPD hielt der Bundeskanzler dann am 22. Mai 1979 ein Grundsatzreferat, in dem er sich mit den Folgen der neuen Kommunikationstechniken für die Familien, für das „persönliche Miteinander der Menschen“ und für die Demokratie beschäftigte. Schmidt lehnte dort eine „Auslieferung der neuen Medientechniken an privatwirtschaftliche Unternehmungen“ ab und forderte, „Kraft und Geld“ einzusetzen, „um die voraussichtlichen Folgen vermehrter und neuartiger Fernsehangebote“ zu erforschen (vgl. Bausch 1980: 776, 987f.). Bei der Bundestagswahl am 5. Oktober 1980 kam die SPD auf 42,9 Prozent, ihr Koalitionspartner FDP auf 10,6 Prozent und die CDU/CSU mit dem Spitzenkandidaten Franz-Joseph Strauß auf 44,5 Prozent.
  • 2 Der Auftrag kam vom sozialliberalen Berliner Senat (vgl. Langenbucher/Kaiser 1978; Langenbucher/Hardtke 1981). Nach der Niederlage der SPD bei den vorgezogenen Neuwahlen am 10. Mai 1981 lehnte der nun von der CDU geführte Senat den Projekt-Vorschlag ab.
  • 3 Der Deutsche Presserat hat 1970 nach einem Hearing eine „Gemischte Kommission für Fragen der journalistischen Aus- und Fortbildung“ eingerichtet. In dieser Kommission waren neben Wissenschaftlern wie Wolfgang R. Langenbucher, Günter Kieslich und Kurt Koszyk unter ande-rem die Berufsorganisationen und die Regierung vertreten. Anfang 1971 veröffentlichte die Kommission ein „Memorandum zur Journalistenausbildung“ (Deutscher Presserat 1971).
  • 4 Mitglieder der Kommission für den Ausbau des technischen Kommunikationssystems: Peter Glotz, Klaus-Jürgen Hoffie, Richard Stücklen (Vertreter der Parteien); Bruno Weinberger (Kommunen); Karl Friedrich Hagenmüller, Wolfgang Schmidt (Banken, Handel und Versicherungen); Karl Edmund Michel, Dieter von Sanden (Hersteller); Günther Stephan, Fritz Weise (Gewerkschaften); Hans Bausch, Karl Holzamer (Rundfunkanstalten); Johannes Binkowski, Lutz Franke (Verleger/Journalisten); Wolfgang Kaiser (elektrische Nachrichtentechnik); Bernd-Peter Lange (Volkswirtschaftslehre); Peter Lerche (Rechtswissenschaft); Eberhard Witte (Betriebswirtschaftslehre), Wolfgang R. Langenbucher (vgl. Media Perspektiven, Heft 2/1974, S. 89-91).
  • 5 Der Münchener Diplomstudiengang Journalistik ist zum Wintersemester 2003/04 durch den postgradualen Diplomstudiengang „Praktischer Journalismus“ ersetzt worden. Dieser Studiengang wurde zwar ebenfalls in Kooperation mit der Deutschen Journalistenschule angeboten, war aber deutlich kürzer (nur drei Semester) und viel praxislastiger als der alte Diplomstudiengang. Inzwischen gibt es hier einen Masterstudiengang (vier Semester). Zugangsvoraussetzungen sind ein abgeschlossenes Hochschulstudium und das Bestehen des Aufnahmetests an der Journalistenschule (vgl. Meyen/Höfler 2008).
  • 6 Die Theodor Herzl Dozentur für die Poetik des Journalismus wurde im Sommersemester 2000 vom Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien, vom Kura-torium für Journalistenausbildung, von der Stadt Wien und vom ORF eingerichtet. Erklärtes Ziel der Initiatoren war es, dem Journalismus den gleichen kulturellen Rang zuzuweisen wie der Lite-ratur oder der Musik. Dozenturinhaber waren unter anderem Luc Jochimsen, Herbert Riehl-Heyse und Klaus Harpprecht.
  • 7 Kurt Koszyk hatte im April 1984 einen Ruf auf eine neue C4-Professur am Münchener Institut für Kommunikationswissenschaft (Zeitungswissenschaft) bekommen und mit Wolfgang R. Langenbucher vereinbart, zunächst erst einmal zwei Semester lang einen Lehrauftrag auszuführen, um die Verhältnisse am Münchener Institut kennen zu lernen. Die schlechte Raumsituation, die hohen Studentenzahlen sowie der Zustand, in dem sich die Institutsbibliothek befand, veranlassten Kurt Koszyk, den Ruf abzulehnen (Koszyk 2004: 177f.).
  • 8 Das Münchener Projekt „Einführung in die Kommunikationswissenschaft – Der Prozess der politischen Mei-nungs- und Willensbildung“ begann 1975. Neben einem zweiteiligen Lehrbuch wurden 13 halbstündige Lehrfilme produziert. Dieser „Kurs im Medienverbund“ sollte „mit den Mitteln der modernen Technik“ (Roegele) w-nigstens einige Probleme der Massenuniversität lösen. Ziel war vor allem die Entlastung und die Homogenisierung der Einführungskurse. Außerdem wurde der Kurs in der Erwachsenenbildung und in der Lehrerausbildung eingesetzt. Die Filme wurden gemeinsam mit der Bildungs-Redaktion des Südwestfunks produziert und von Anfang Januar bis Ende März 1976 im Programmverbund S 3 zum ersten Mal ausgestrahlt. Sendezeit: mittwochs, 19.15 bis 19.45 Uhr. Die Einschaltquote lag im Durchschnitt bei 50.000 Geräten (personenbezogene Daten wur-den damals noch nicht gemessen). 1979 wiederholten S 3 und das ZDF jeweils acht Folgen. Die Münchener Studenten lobten bei einer Evaluierung vor allem die „Diskussionsfilme“. Hier sprachen Experten über das jeweilige Problem. Die Seminarleiter dagegen kritisierten einmütig die Dramaturgie der Streifen. Die Filme seien zu feuilletonistisch, zu kabarettistisch, zu „unterhaltend im Sinne von ablenkend“ und deshalb zu wenig lehrreich.

Literaturangaben

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Empfohlene Zitierweise

    Wolfgang R. Langenbucher: Ich sehe mich als Institutionenbauer. In: Michael Meyen/Thomas Wiedemann (Hrsg.): Biografisches Lexikon der Kommunikationswissenschaft. Köln: Herbert von Halem 2018. http://blexkom.halemverlag.de/langenbucher-interview/ ‎(Datum des Zugriffs).