Dieter Roß

1. März 1936

Lexikoneintrag von Michael Meyen am 17. November 2016

Dieter Roß steht für die Öffnung des Fachs in Richtung Medienpraxis: Der Historiker wurde 1983 auf eine Professur für den Hamburger Teilstudiengang Journalistik berufen. Vorher hat er 18 Jahre lang am Hans-Bredow-Institut gearbeitet und war dort unter anderem Redakteur der Zeitschrift Rundfunk und Fernsehen.

Stationen

Geboren in Königsberg. Vater Forstbeamter. 1956 bis 1960 Studium der Geschichte, Philosophie, Pädagogik und Literaturwissenschaft in Hamburg und Göttingen. 1965 Promotion in Geschichte. 1960 bis 1963 Redaktionsassistent bei der Tagesschau, parallel freier Mitarbeiter beim Deutschlandfunk und bei der Wochenzeitung Die Zeit. 1965 Assistent am Hans-Bredow-Institut, 1966 wissenschaftlicher Referent, 1970 geschäftsführender Referent; Redakteur von Rundfunk und Fernsehen. Seit 1966 Lehraufträge an den Universitäten Hamburg, Göttingen und Osnabrück. 1970 Gründungsmitglied der Akademie für Publizistik. Seit 1971 (nebenamtlich) Dozent an der Akademie, ab 1974 ständiger wissenschaftlicher Berater. 1973 bis 1979 Sachverständiger im Fachausschuss Journalistenausbildung der Behörde für Wissenschaft und Forschung in Hamburg und 1980 bis 1982 Mitglied in der Gemeinsamen Kommission Journalistik der Universität Hamburg. 1980/81 Vertretung einer Professur in Göttingen. 1983 Professor für Angewandte Kommunikationswissenschaft mit dem Schwerpunkt Medienpraxis im neu geschaffenen Teilstudiengang Journalistik der Universität Hamburg (bis 2001).

Publikationen

  • Hitler und Dollfuß. Die deutsche Österreich-Politik 1933–1934. Hamburg: Leibniz-Verlag 1966 (Dissertation).
  • Umbruch in der Medienlandschaft. Beziehungen zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis. München: Ölschläger 1991 (Herausgeber, mit Jürgen Wilke).
  • Die neue Unverbindlichkeit. Der Zerfall der Öffentlichkeit und die Allgegenwart der Medien. In: Siegfried von Kortzfleisch/Peter Cornehl (Hrsg.): Medienkult – Medienkultur. Berlin: Reimer 1993, S. 15-33.

Der Historiker Dieter Roß ist über den Journalismus und das Hans-Bredow-Institut für Rundfunk und Fernsehen in die Kommunikationswissenschaft gekommen. Sein Doktorvater Egmont Zechlin (1896 bis 1992), der das Hamburger Forschungsinstitut von 1950 bis 1967 im Nebenamt leitete, wusste, dass Dieter Roß praktische Erfahrungen bei der Tagesschau und beim Deutschlandfunk gesammelt hatte (vgl. Roß 2007: 156). Am Hans-Bredow-Institut spezialisierte sich Roß auf die Themen Mediengeschichte und Medienpolitik, engagierte sich für die Aus- und Fortbildung von Journalisten und hatte außerdem Lehraufträge an mehreren kommunikationswissenschaftlichen Instituten.

1983 wurde Dieter Roß dann der erste Vertreter des Fachs an der Universität Hamburg, wo für den neuen Teilstudiengang Journalistik (Nebenfach) zunächst eine „Minimallösung“ geschaffen wurde („eine Professur, eine halbe Sekretariatsstelle, eine halbe Mitarbeiterstelle und 42 Studierende pro Jahr“, Roß 2007: 162). Das Hauptfach „Journalistik und Kommunikationswissenschaft“ wurde erst zwei Jahrzehnte später im Zuge der Berufung von Siegfried Weischenberg eingeführt. Dieter Roß hat sich in erster Linie als akademischer Lehrer gesehen, der seine Studenten auf den Journalismus vorbereiten wollte. In einem biografischen Interview nannte er als wichtige inhaltliche Einflüsse Theodor W. Adorno und Karl Kraus (Roß 2007: 161).

Literaturangaben

Weiterführende Literatur

  • Dieter Roß: Journalistik und Kommunikationswissenschaft Hauptfach an der Universität Hamburg. In: Publizistik 47. Jg. (2002), S. 327.
  • Hartmut Weßler/Christiane Matzen/Otfried Jarren/Uwe Hasebrink (Hrsg.): Perspektiven der Medienkritik – die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit öffentlicher Kommunikation in der Mediengesellschaft. Dieter Roß zum 60. Geburtstag. Opladen: Westdeutscher Verlag 1997.

Empfohlene Zitierweise

        Michael Meyen: Dieter Roß. In: Michael Meyen/Thomas Wiedemann (Hrsg.): Biografisches Lexikon der Kommunikationswissenschaft. Köln: Herbert von Halem 2016. http://blexkom.halemverlag.de/dieter-ross/ (Datum des Zugriffs).