Kurt Koszyk (Quelle: Koszyk 1999)
Kurt Koszyk (Quelle: Koszyk 1999)

Kurt Koszyk

31. Mai 1929 bis 1. Januar 2015

Lexikoneintrag von Thomas Wiedemann am 25. August 2014

Der Name Kurt Koszyk ist in der Kommunikationswissenschaft untrennbar mit Pressegeschichte und Journalistenausbildung verbunden. Grund dafür ist vor allem sein Beitrag zum Auf- und Ausbau des Instituts für Zeitungsforschung sowie des Instituts für Journalistik in Dortmund.

Stationen

Geboren in Dortmund. Vater SPD-Mitglied und Mitarbeiter des Wolffschen Telegraphenbüros. 1949 bis 1951 Studium in Münster (Publizistikwissenschaft, Germanistik, Anglistik). 1950 Term in Oxford, ab Mai 1951 Studium in München. 1953 Promotion (Doktorvater: Karl d’Ester) und Journalist bei der Westfälischen Rundschau in Dortmund. 1957 Leiter des Instituts für Zeitungsforschung in Dortmund (bis 1977). Ab 1964 Einladungen ans Institut für Publizistik in Berlin. 1968 Habilitation an der Freien Universität Berlin. 1969 Professor für Publizistik und Kommunikation an der Ruhr-Universität Bochum (bis 1974). Ab 1975 Aufbau des Diplomstudiengangs Journalistik in Dortmund. 1977 Professor am Institut für Journalistik in Dortmund (bis 1992). 1984 Ruf auf eine C4-Professur in München (abgelehnt). 1991 Beteiligung am Aufbau des Erich-Brost-Instituts für europäischen Journalismus.

Publikationen

  • Anfänge und frühe Entwicklung der sozialdemokratischen Presse im Ruhrgebiet (1975-1908). Dortmund: Fr. Wilh. Rufhus 1953 (Dissertation).
  • Geschichte der deutschen Presse. Berlin: Colloquium. Bd. 1. 1966 bis Bd. 4. 1986 (Bd. 1 gemeinsam mit Margot Lindemann).
  • Deutsche Pressepolitik im Ersten Weltkrieg. Düsseldorf: Droste 1968 (Habilitation).
  • Dtv-Wörterbuch zur Publizistik. München: Deutscher Taschenbuch-Verlag 1969 (herausgegeben mit Karl Hugo Pruys). Neuauflage: Handbuch der Massenkommunikation. München: Deutscher Taschenbuch-Verlag 1981 (gemeinsam mit Karl Hugo Pruys).
  • Gustav Stresemann. Der kaisertreue Demokrat. Eine Biographie. Köln: Kiepenheuer & Witsch 1989.
  • Publizistik und politisches Engagement. Lebensbilder publizistischer Persönlichkeiten. Herausgegeben und eingeleitet von Walter Hömberg, Arnulf Kutsch und Horst Pöttker. Münster: Lit 1999 (= Kommunikationsgeschichte 5).

Der Name Kurt Koszyk ist in der Kommunikationswissenschaft untrennbar mit Pressegeschichte und Journalistenausbildung verbunden. Neben Koszyks Forschungs- und Lehrtätigkeit stehen dafür insbesondere sein Einsatz beim Ausbau des Instituts für Zeitungsforschung sowie sein Beitrag zur Gründung und Entwicklung des Dortmunder Instituts für Journalistik.

Natürlich war auch Kurt Koszyks Berufswunsch zunächst im Journalismus angesiedelt, mit dem er schon als Kind in Berührung gekommen war (wenngleich der Vater, ein überzeugter Sozialdemokrat, seine Tätigkeit als Vertreter des Wolffschen Telegraphenbüros in Dortmund 1933 aufgeben musste und bis zum Ende des Nationalsozialismus stellungslos blieb). Deshalb studierte Koszyk zunächst Publizistikwissenschaft in Münster, doch weil ihm die Rolle des dortigen Institutsdirektors Walter Hagemann als zu dominant erschien (vgl. Wiedemann 2012), wechselte er 1951 ungeachtet der fachlichen Differenzen ans Münchner Institut für Zeitungswissenschaft. Bei dem „väterlichen“ Karl d’Ester (Koszyk 2000: 16) sah er sein historisches Interesse besser bedient und promovierte zwei Jahre später mit einer Arbeit über die Geschichte der sozialdemokratischen Presse im Ruhrgebiet (vgl. Koszyk 1953).

Fritz Eberhard (Quelle: Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung)

Fritz Eberhard (Quelle: Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung)

Die anschließende Tätigkeit als Redakteur der Westfälischen Rundschau währte dann allerdings nur kurze Zeit. Bereits 1957 wurde Kurt Koszyk als Nachfolger des zwei Jahre zuvor verstorbenen Historikers Albert Wand zum Leiter des Instituts für Zeitungsforschung ernannt. Mit dem einst von d’Ester mitbegründeten Institut hatte er bereits während seiner Dissertation in Kontakt gestanden (vgl. Koszyk 1997: 244). Als jüngstem Leiter eines Fachinstituts im Gebiet Publizistik- und Zeitungswissenschaft gelang es Koszyk, die Dortmunder Einrichtung als führende Sammlung für alle Quellen der Printgeschichte zu etablieren (vor allem durch die Gründung des Mikrofilmarchivs der deutschsprachigen Presse), was im Fach nicht unbemerkt blieb. 1964 lud ihn Fritz Eberhard ein ans Berliner Institut für Publizistik – verbunden mit dem Auftrag, für die von ihm herausgegebene Schriftenreihe eine Geschichte der deutschen Presse von den Anfängen bis zum Ende der Lizenzzeit zu verfassen. Das Ergebnis: ein vierbändiges Werk, das Koszyk darüber hinaus zur eigenen Weiterqualifikation nutzen konnte. Seine zunächst als eigenständiges Werk gedachte Arbeit über die Deutsche Pressepolitik im Ersten Weltkrieg (Koszyk 1968) war zugleich die erste erfolgreiche Nachkriegs-Habilitation im Fach Publizistik an der Freien Universität Berlin.

Es dauerte kein Jahr, bis Kurt Koszyk als Leiter der Sektion Publizistik an die neu gegründete Ruhr-Universität in Bochum berufen wurde, und auch wenn er (enttäuscht von dem schleppenden personellen Ausbau sowie der nicht erfolgten Erhebung der Publizistik zum Hauptfach) seine dortige C3-Professur 1974 niederlegte und nach Dortmund zurückkehrte, blieb er für die Düsseldorfer Landesregierung ein zentraler Ansprechpartner des Fachs: 1975 erhielt Koszyk den Auftrag zur Bildung und Leitung einer Planungskommission für einen neuen Studiengang Journalistik (den Anstoß dazu hatte das von Günter Kieslich und Wolfgang R. Langenbucher verfasste Memorandum zur Journalistenausbildung gegeben, das 1971 dem Deutschen Presserat vorgelegt worden war; vgl. N.N. 1971). Das „Dortmunder Modell“ (ein Diplomstudiengang mit einem integrierten Volontärspraktikum) fand die Zustimmung der Bildungsplaner und folgerichtig erging an Koszyk der Auftrag, das Konzept in Dortmund umzusetzen. 1977 wurde Kurt Koszyk Gründungsprofessor des Studiengangs Journalistik an der Pädagogischen Hochschule Ruhr, Abteilung Dortmund (dem heutigen Institut für Journalistik an der Technischen Universität). Dass ihm dieser Modellversuch besonders am Herzen lag und ihm beim Auf- und Ausbau des Dortmunder Instituts weitreichende Entscheidungskompetenzen zustanden, erklärt auch, warum Koszyk 1985 den Ruf auf eine C4-Professur am Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität München als Nachfolger von Otto B. Roegele schlussendlich ablehnte (vgl. Koszyk 2004).

Trotz vielfältiger administrativer Aufgaben (als mehrmaliger Institutsdirektor und Dekan des Fachbereichs) blieb Kurt Koszyk ein „fleißiger Autor“ (Bohrmann 1999: 340), auch über seine Pensionierung im Jahr 1992 hinaus. Seine Publikationen sind der Geschichte des Journalismus verpflichtet, wobei Koszyk hier den Schwerpunkt auf Personen legte und ausgehend davon Fragen journalistischer Ethik und Unabhängigkeit reflektierte (exemplarisch Koszyk 1999). Wie grundlegend er dafür die entsprechende Ausbildung erachtete, unterstreicht genauso seine Beteiligung am Aufbau des Erich-Brost-Instituts für Journalistik in Europa, in dessen Kuratorium er (Ehren-)Vorsitzender war. Koszyks Nachfolger am Institut für Zeitungsforschung wurde Hans Bohrmann. Auf den Lehrstuhl „Theorie und Praxis des Journalismus” am Dortmunder Institut für Journalistik folgte ihm Horst Pöttker.

(aktualisiert am 5. Januar 2015)

Literaturangaben

  • Hans Bohrmann: Kurt Koszyk 70 Jahre. In: Publizistik 44 Jg. (1999), S. 337-340.
  • Kurt Koszyk: Anfänge und frühe Entwicklung der sozialdemokratischen Presse im Ruhrgebiet (1975-1908). Dortmund: Fr. Wilh. Rufhus 1953.
  • Kurt Koszyk: Deutsche Pressepolitik im Ersten Weltkrieg. Düsseldorf: Droste 1968.
  • Kurt Koszyk: Wie man Kommunikationshistoriker wird. In: Arnulf Kutsch/Horst Pöttker (Hrsg.): Kommunikationswissenschaft – autobiographisch. Zur Entwicklung einer Wissenschaft in Deutschland. Opladen: Westdeutscher Verlag 1997, S. 243-250.
  • Kurt Koszyk: Publizistik und politisches Engagement. Lebensbilder publizistischer Persönlichkeiten. Herausgegeben und eingeleitet von Walter Hömberg, Arnulf Kutsch und Horst Pöttker. Münster: Lit 1999 (= Kommunikationsgeschichte 5).
  • Kurt Koszyk: Unfrisierte Erinnerungen eines d’Ester-Schülers. In: Otfried Jarren/Gerd. G. Kopper/Gabriele Toepser-Ziegert (Hrsg.): Zeitung – Medium mit Vergangenheit und Zukunft. Eine Bestandsaufnahme. Festschrift aus Anlass des 60. Geburtstages von Hans Bohrmann. München: Saur 2000, S. 13-24.
  • Kurt Koszyk: Karl d’Ester, gepackte Kisten und das Chaos in München. In: Michael Meyen/Maria Löblich (Hrsg.): 80 Jahre Zeitungs- und Kommunikationswissenschaft in München. Bausteine zu einer Institutsgeschichte. Köln: Herbert von Halem 2004, S. 170-179.
  • N.N.: Memorandum zur Journalistenausbildung. In: Deutscher Presserat: Tätigkeitsbericht 1970. Bonn-Bad Godesberg: Zeitungs-Verlag und Zeitschriften-Verlag 1971, S. 64-85.
  • Thomas Wiedemann: Walter Hagemann. Aufstieg und Fall eines politisch ambitionierten Journalisten und Publizistikwissenschaftlers. Köln: Herbert von Halem 2012.

Weiterführende Literatur

  • Ulrich Pätzold/Gerhardt W. Würzberg (Hrsg.): Durchzug. Dortmunder Journalistik-Lesebuch. Kurt Koszyk zum 60. Geburtstag. Stadthagen: Ute Bernhardt-Pätzold Druckerei & Verlag 1989.
  • Horst Pöttker/Gabriele Toepser-Ziegert (Hrsg.): Journalismus, der Geschichte schrieb. 60 Jahre Pressefreiheit in der Bundesrepublik Deutschland. Symposium für Kurt Koszyk. Berlin: de Gruyter 2010.
  • Ulrich P. Schäfer: Aus der Geschichte lernen. Zum 60. Geburtstag von Kurt Koszyk. In: Publizistik 34 Jg. (1989), S. 352-354.
  • Ulrich P. Schäfer/Thomas Schiller/Georg Schütte (Hrsg.): Journalismus in Theorie und Praxis. Beiträge zur universitären Journalistenausbildung. Festschrift für Kurt Koszyk. Konstanz: UVK 1999.

Weblink

Empfohlene Zitierweise

    • Thomas Wiedemann: Kurt Koszyk. In: Michael Meyen/Thomas Wiedemann (Hrsg.): Biografisches Lexikon der Kommunikationswissenschaft. Köln: Herbert von Halem 2014. http://blexkom.halemverlag.de/kurt-koszyk/ (Datum des Zugriffs).