Heinz-Dietrich Fischer

1. Mai 1937

Lexikoneintrag von Michael Meyen am 22. Juni 2016

Heinz-Dietrich Fischer hat das Fach drei Jahrzehnte lang in Bochum vertreten. Er ist vor allem durch seine Publikationen aus dem Archiv des Pulitzerpreises bekannt geworden.

Stationen

Geboren in Blankenstein an der Ruhr. Vater Einzelhandels-Kaufmann. 1959 Begabten-Abitur beim Wissenschaftlichen Landesprüfungsamt von West-Berlin. Studium in Berlin, Zürich und Münster (Publizistikwissenschaft, Politologie, Geschichte und Öffentliches Recht). 1965 Forschungsassistent von Henk Prakke, Redaktion des Handbuchs für Weltpresse am Institut für Publizistik in Münster (vgl. Prakke et al. 1970). 1968 Promotion. 1968 Assistant Professor für internationale Publizistik an der School of Journalism der University of Missouri. 1969 Wissenschaftlicher Assistent am Historischen Seminar der Universität Köln, Abteilung Geschichte der Publizistik. 1970 Wissenschaftlicher Assistent an der Sektion Publizistik und Kommunikation der Ruhr-Universität Bochum bei Kurt Koszyk. 1972 Habilitation an der Ruhr-Universität Bochum. 1973 Ernennung zum außerplanmäßigen Professor. 1974 bis 2002 Professor und Leiter der Sektion Publizistik und Kommunikation in Bochum. 1988 Kooptation für „Medizinpublizistik und -kommunikation“ durch die Medizinische Fakultät der Ruhr-Universität.

Publikationen

  • Die großen Zeitungen – Porträts der Weltpresse. München: Deutscher Taschenbuch-Verlag 1966.
  • Parteien und Presse in Deutschland. Bremen: Schünemann 1971 (Dissertation).
  • Tendenzpublizistik im Kommunikationsfeld. Untersuchungen zum Problem politischer Presse im System interner und externer Einflüsse. Bochum: Ruhr-Universität 1972 (Habilitation, vgl. Fischer 1981).
  • The Pulitzer Prize Archive, Vol. 1-23. München: de Gruyter Saur 1987-2010 (Herausgeber, zum Teil mit Erika J. Fischer).

Heinz-Dietrich Fischer gehört zu den ersten Jungtürken, die alle akademischen Stationen im Fach durchlaufen und dabei auch fast alle damals wichtigen Standorte kennengelernt haben. Fischer hat bei Emil Dovifat in Berlin, bei Siegfried Frey in Zürich und bei Henk Prakke studiert, in Münster promoviert und sich dann in Bochum habilitiert, wo er kurz darauf Nachfolger seines Mentors Kurt Koszyk wurde. Trotz aller „Standortnachteile“ gegenüber Münster und Dortmund, zu denen vor allem die geringe personelle und finanzielle Ausstattung sowie die Einbindung in eine „PPP-Fakulät“ gehörten (Philosophie, Pädagogik, Psychologie), blieb Fischer in Bochum, schlug dabei Angebote aus den USA sowie aus Sachsen aus (vgl. Fischer 2007) und erlebte einen moderaten Ausbau des Fachs. Nachdem 1982 zunächst Barbara Baerns in Bochum Professorin wurde, folgten 1991 die Berufungen von Franz Stuke und Christina Holtz-Bacha.

Heinz-Dietrich Fischer hatte sehr früh Kontakt in die USA. Das Angebot von John Merrill, an der berühmten Journalistenschule der University of Missouri zu arbeiten, begründete Fischer in einem biografischen Interview mit seinem Buch über die wichtigsten Tageszeitungen (vgl. Fischer 1966) sowie mit seiner Mitarbeit am Handbuch der Weltpresse in Münster (vgl. Prakke et al. 1970), bei dem ein Team um Henk Prakke eine Tradition fortsetzte, die in den frühen 1930er-Jahren am Berliner Institut entstanden war (Fischer 2007: 195-196). Diese Verbindung in die USA, seine frühen Erfahrungen in Editionsprojekten und sein Interesse an der internationalen Kommunikation führten zu zahlreichen Publikationen zum Thema Pulitzerpreis, für die Fischer das Archiv der Columbia University nutzen durfte und dabei eine der größten und umfangreichsten Dokumentationen schuf, die je im Fach entstanden sind.

Literaturangaben

Weiterführende Literatur

  • Ingrid Dickhut/Olaf Jubin/Oskar Stodiek: Publizistik als Berufung. Wirken und Werk der publizistischen Persönlichkeit Heinz-Dietrich Fischer. Eine Anthologie zum 60. Geburtstag. Bochum: Universitätsverlag Brockmeyer 1997.
  • Heinz-Dietrich Fischer (Hrsg.): Bochumer Publizistik und Kommunikationswissenschaft in den neunziger Jahren. Ein Vierteljahrhundert publizistische Lehre und Forschung an der Ruhr-Universität, 1965/66-1990/91. Köln: Deutscher Ärzte-Verlag 1992.

Weblink

Empfohlene Zitierweise

        Michael Meyen: Heinz-Dietrich Fischer. In: Michael Meyen/Thomas Wiedemann (Hrsg.): Biografisches Lexikon der Kommunikationswissenschaft. Köln: Herbert von Halem 2016. http://blexkom.halemverlag.de/heinz-dietrich-fischer/ (Datum des Zugriffs).