Winfried Schulz

11. August 1938

Lexikoneintrag von Michael Meyen am 1. Dezember 2016

Winfried Schulz war 2014 erst der zweite Deutsche, der ICA Fellow wurde. Er ist Mitherausgeber des erfolgreichsten Lehrbuchs im Fach und Autor von Standardwerken zur Nachrichtenselektion und zur politischen Kommunikation.

Stationen

Geboren in Berlin. Vater kaufmännischer Angestellter (im Krieg gefallen). Schulbesuch in Hannover und Dortmund. Studium in München und Berlin (Soziologie, Publizistik, Psychologie). Kriegswaisen-Stipendium. Abschluss als Diplom-Soziologe 1964 an der FU Berlin, Diplomarbeit bei Ludwig von Friedeburg. 1965 wissenschaftlicher Assistent von Elisabeth Noelle-Neumann am Institut für Publizistik in Mainz. 1968 Promotion. 1974 Habilitation (Thema: Analytische Theorie der Medien. Eine kommunikationswissenschaftliche Grundlagenstudie zur Erklärung der Vermittlungs- und Wirkungsbedingungen verschiedener Medien). Assistenzprofessor und Privatdozent am Institut für Publizistik in Mainz. 1975/76 Research Fellow an der University of California in Berkeley. 1977 Professur für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Münster. 1983 bis 2003 Lehrstuhl für Kommunikations- und Politikwissenschaft in Erlangen-Nürnberg. 1980 bis 1989 Vorstandsmitglied, 1984 bis 1986 Vorsitzender der DGPuK. 1980 Vorsitzender der DFG-Senatskommission für Medienwirkungsforschung. 1983 bis 1989 Koordinator des DFG-Schwerpunktprogramms Publizistische Medienwirkungen. 2002 Ehrendoktorwürde der Karls-Universität Prag. 2014 ICA Fellow.

Publikationen

  • Kausalität und Experiment in den Sozialwissenschaften. Methodologie und Forschungstechnik. Mainz: von Hase & Koehler 1970 (Dissertation).
  • Die Konstruktion von Realität in den Nachrichtenmedien. Eine Analyse der aktuellen Berichterstattung. Freiburg: Alber 1976.
  • Massenkommunikation. Theorien – Methoden – Befunde. Sonderheft 30 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. Opladen: Westdeutscher Verlag 1989 (herausgegeben mit Max Kaase).
  • Das Fischer Lexikon Publizistik Massenkommunikation. 5. Auflage. Frankfurt/Main: Fischer Taschenbuch Verlag 2009 (herausgegeben mit Elisabeth Noelle-Neumann und Jürgen Wilke).
  • Politische Kommunikation: Theoretische Ansätze und Ergebnisse empirischer Forschung. 3. Auflage. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2011.

Winfried Schulz gehört zweifellos zu den produktivsten, einflussreichsten und erfolgreichsten Fachvertretern. Bereits in der ersten Auflage des Fischer Lexikons Publizistik, das er gemeinsam mit seiner Lehrerin Elisabeth Noelle-Neumann herausgab, war Schulz mit zwölf Beiträgen vertreten (davon fünf als Alleinautor, vgl. Noelle-Neumann/Schulz 1971). Das Lexikon ist 2009 in der 5. Auflage erschienen und das mit Abstand auflagenstärkste Lehrbuch des Fachs. Der Name Winfried Schulz ist außerdem mit Standardwerken zur Nachrichtenwerttheorie und zur politischen Kommunikation verbunden (vgl. Schulz 1976, 2011) sowie mit dem ersten größeren institutionellen Erfolg der Kommunikationswissenschaft. Er war Initiator und Koordinator des DFG-Schwerpunktprogramms zur Medienwirkungsforschung. Hier wurden in den 1980er-Jahren acht Forschungsvorhaben mit insgesamt sechs Millionen Mark gefördert (vgl. Schulz 2007: 240-241). Wichtiges Ergebnis war ein Sonderheft der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, das den State of the Art festhielt (vgl. Kaase/Schulz 1989). Für den internationalen Erfolg von Winfried Schulz steht seine Ernennung zum ICA Fellow im Jahr 2014. Er war damals der zweite Deutsche, der die höchste Auszeichnung der internationalen Fachgemeinschaft bekam (nach Wolfgang Donsbach, vgl. Meyen 2012).

Zur Kommunikationswissenschaft ist Winfried Schulz dabei nur durch einen Zufall gekommen. Er wollte zwar Journalist werden und hat deshalb zunächst in München und dann auch in Berlin Veranstaltungen in der Zeitungs- bzw. Publizistikwissenschaft belegt (unter anderem bei Hanns Braun, Fritz Eberhard und Emil Dovifat), war aber von dem Angebot enttäuscht. Als wichtigste akademische Lehrer nannte Schulz im Rückblick die Sozialwissenschaftler Renate Mayntz, Ludwig von Friedeburg und Klaus Holzkamp (Schulz 2007: 231). In einem seiner Berliner Seminare fiel er allerdings Elisabeth Noelle-Neumann auf, die damals dort einen Lehrauftrag hatte und Schulz bat, als Assistent mit nach Mainz zu kommen und dort das Institut mit aufzubauen. In seiner Dissertation folgte er einer Anregung Noelle-Neumanns (vgl. Noelle-Neumann 1965).

Als Professor lehrte Winfried Schulz zunächst in Münster und dann in Nürnberg. Nach dem politischen Umbruch in der DDR war er außerdem Mitglied der Gründungskommission des Leipziger Instituts. Zu seinen Schülern gehören unter anderem die Kommunikationswissenschaftler Klaus Schönbach, Werner Früh, Helmut Scherer, Lutz Hagen und Oliver Quiring sowie die Journalisten Werner d’Inka und Thomas Bellut.

Literaturangaben

  • Max Kaase/Winfried Schulz: Massenkommunikation. Theorien – Methoden – Befunde. Opladen: Westdeutscher Verlag 1989.
  • Michael Meyen: International Communication Association Fellows: A Collective Biography. In: International Journal of Communication [Online] Vol. 6 (2012), S. 2378-2396.
  • Elisabeth Noelle-Neumann: Die Rolle des Experiments in der Publizistikwissenschaft. In: Publizistik 10. Jg. (1965), S. 239-250.
  • Elisabeth Noelle-Neumann/Winfried Schulz (Hrsg.): Das Fischer Lexikon Publizistik. Frankfurt/Main: Fischer 1971.
  • Winfried Schulz: Die Konstruktion von Realität in den Nachrichtenmedien. Eine Analyse der aktuellen Berichterstattung. Freiburg: Alber 1976.
  • Winfried Schulz: Man spekuliert nicht, sondern orientiert sich an Fakten. In: Michael Meyen/Maria Löblich: „Ich habe dieses Fach erfunden“. Wie die Kommunikationswissenschaft an die deutschsprachigen Universitäten kam. 19 biografische Interviews. Köln: Herbert von Halem 2007, S. 227-245.
  • Winfried Schulz: Politische Kommunikation: Theoretische Ansätze und Ergebnisse empirischer Forschung. 3. Auflage. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2011.

Weiterführende Literatur

Weblinks

Winfried Schulz, Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg
Wikipedia-Eintrag

Empfohlene Zitierweise

        Michael Meyen: Winfried Schulz. In: Michael Meyen/Thomas Wiedemann (Hrsg.): Biografisches Lexikon der Kommunikationswissenschaft. Köln: Herbert von Halem 2016. http://blexkom.halemverlag.de/winfried-schulz/ (Datum des Zugriffs).