Thomas Hanitzsch (Foto: privat)
Thomas Hanitzsch (Foto: privat)

Thomas Hanitzsch

18. Oktober 1969

Lexikoneintrag von Susanne Hehr am 27. August 2013

Thomas Hanitzsch hat mit der Worlds of Journalism Study Standards in der international vergleichenden Forschung gesetzt und war vorher maßgeblich an der Etablierung der Journalism Studies Division innerhalb der ICA beteiligt. Seit 2010 ist er Professor in München.

Stationen

Geboren in Dresden. Vater Ingenieur. 1990 freier Mitarbeiter bei der Tageszeitung Die Union. 1991 Volontariat. 1992 bis 1999 Studium in Leipzig (Journalistik und Arabistik/Orientalische Philologie). 1997 Stipendium an der Universitas Gadjah Mada in Yogyakarta in Indonesien. 2000 bis 2002 Promotionsstipendiat der Thüringischen Graduiertenförderung. 2002 wissenschaftlicher Mitarbeiter und ab 2004 wissenschaftlicher Assistent am Institut für Medien und Kommunikationswissenschaft an der Technischen Universität Ilmenau. 2004 dort Promotion. 2006 Oberassistent am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich. 2010 Habilitation in Zürich und Professor für Kommunikationswissenschaft mit dem Schwerpunkt Journalismus am Institut für Kommunikationswissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. 2013 hier Lehrstuhlinhaber. Seit Mitte 2011 Editor der Fachzeitschrift Communication Theory. Verheiratet, eine Tochter, ein Sohn.

Publikationen

  • Journalismus in Indonesien. Akteure, Strukturen, Orientierungshorizonte, Journalismuskulturen. Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag 2004 (Dissertation).
  • Journalismustheorie: Next Generation. Soziologische Grundlegung und theoretische Innovation. Wiesbaden: VS Verlag 2007 (herausgegeben mit Klaus-Dieter Altmeppen und Carsten Schlüter).
  • Handbook of Journalism Studies. New York: Routledge 2009 (herausgegeben mit Karin Wahl-Jorgensen).
  • Handbook of Comparative Communication Research. New York: Routledge 2012 (herausgegeben mit Frank Esser).

Hanitzsch ist ein Journalismusforscher mit einer ausgeprägten internationalen Ausrichtung und herausragenden Erfolgen. „Die in seiner Vita ausgewiesenen Auszeichnungen, Preise, Gutachtertätigkeiten, Drittmitteleinwerbungen [sind] für sein Alter weit überdurchschnittlich“ (Brosius 2010: 85). Dabei hat der „renommierte Wissenschaftler mit hohem Potenzial“ (ebd.: 86) sich erst vergleichsweise spät für das Fach entschieden. Nach seinem Volontariat wollte er Korrespondent für den Nahen oder Mittleren Osten werden, hatte sich deshalb eigentlich für das Hauptfach Arabistik entschieden (das dann allerdings abgewickelt wurde) und war mit der Journalistik in Leipzig eher unzufrieden (vgl. Hanitzsch 2013). Nebenbei arbeitete er für Presse und Radio und begann ab 1997, sich in Indonesien eine Existenz als freier Journalist aufzubauen. Vor allem Martin Löffelholz ist es zu verdanken, dass Thomas Hanitzsch schließlich nach Deutschland zurückkam und Kommunikationswissenschaftler wurde.
In seiner Dissertation über den Journalismus in Indonesien untersucht er „journalistische Akteure, Strukturen und Orientierungshorizonte in einem sich demokratisierenden Mediensystem“ (Brosius 2010: 85). Während der Arbeit an diesem Buch entstand zugleich die Idee für die Worlds of Journalism Study, eine der wichtigsten Untersuchungen im Bereich der Journalismusforschung (www.worldsofjournalism.org) und zugleich eine „neue Form der internationalen Zusammenarbeit“ unter Kommunikationswissenschaftlern (Hanitzsch 2013). Zu dem beispiellosen Netzwerk der Studie gehören inzwischen Forscherinnen und Forscher aus mehr als 80 Ländern. Brosius (2010: 85) sprach von einem „Prunkstück der komparativen Journalismusforschung“.
Der Grundstein für dieses Netzwerk wurde bei der ICA gelegt. Mit Unterstützung von David Weaver und Martin Löffelholz hat Thomas Hanitzsch dort die Gründung einer Journalism Studies Interest Group vorangetrieben. 2004 bis 2006 war er Vorsitzender dieser Gruppe, die sehr schnell den Status einer Division erreichte. 2011 wurde er vom Publications Committee der ICA zum Editor der renommierten Fachzeitschrift Communication Theory ernannt. Brosius (2010: 86) zufolge haben vor allem seine zahlreichen Aufsätze in internationalen Fachzeitschriften „Senat und Hochschulleitung der LMU maßgeblich [davon] überzeugt“, die Professur für Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt Journalismus (W2) im Jahr 2010 mit Hanitzsch zu besetzen. Dies gilt auch auf seine Berufung auf einen Lehrstuhl (W3) im gleichen Haus 2013.

Literaturangaben

  • Hans-Bernd Brosius: Berufungen – Carsten Reinemann und Thomas Hanitzsch, Ludwig-Maximilians-Universität München. In: Publizistik 55. Jg. (2010), S. 85-86.
  • Thomas Hanitzsch: Ein Elfmeter, der nur noch verwandelt werden musste. In: Michael Meyen/Thomas Wiedemann (Hrsg.): Biografisches Lexikon der Kommunikationswissenschaft. http://blexkom.halemverlag.de/ein-elfmeter/.

Weblinks

Forschungs- und Lehrbereich Hanitzsch an der Universität München
The Worlds of Journalism Study
Virtual Home

Empfohlene Zitierweise

    Susanne Hehr: Thomas Hanitzsch. In: Michael Meyen/Thomas Wiedemann (Hrsg.): Biografisches Lexikon der Kommunikationswissenschaft. Köln: Herbert von Halem 2013. http://blexkom.halemverlag.de/thomas-hanitzsch/ (Datum des Zugriffs).