Joan Hemels (Foto: Michael Meyen)
Joan Hemels (Foto: Michael Meyen)

Joan Hemels

2. März 1944

Lexikoneintrag von Michael Meyen am 26. Juni 2014

Joan Hemels war Professor in Amsterdam und Antwerpen, aber zugleich an vielen deutschsprachigen Instituten zu Hause – als profunder Kenner der niederländischen Fach- und Kommunikationsgeschichte sowie als Brückenbauer.

Stationen

Geboren in Lierderholthuis (heute Gemeinde Raalte). Ausgebildeter Journalist. Studium an der Katholischen Universität Nijmegen (bis zur Zwischenprüfung Zeitgeschichte und Journalistik, danach Sozial- und Wirtschaftsgeschickte und Publizistik). 1967 dort wissenschaftlicher Mitarbeiter. 1969 Promotion. 1973 DGPuK-Mitglied. 1982 Universität von Amsterdam. 1987 auch offiziell Professor für Kommunikationswissenschaft (bis 2009). 1998 zugleich erster Inhaber des Abraham Verhoeven-Lehrstuhls an der Universität Antwerpen; dort Gastprofessor bis 2008. Zahlreiche Gastprofessuren im deutschsprachigen Raum: Salzburg (1979/80), Bochum (1981/82), Eichstätt (1985/86), Mainz (1992/93), Leipzig (1995/96, 2002/03), Siegen (1997/98), Wien (1999/2000). Wissenschaftlicher Beirat von Communicatio Socialis (seit 1985) und des Jahrbuchs für Kommunikationsgeschichte (seit 1999). Verheiratet, eine Tochter.

Publikationen

  • Op de bres voor de pers. De strijd voor de klassieke persvrijheid (Kampf um die Pressefreiheit). Assen: van Gorcum 1969 (Dissertation).
  • Het Geillustreerde Tijdschrift in Nederland (Illustrierte Zeitschriften in den Niederlanden, 3 Bände). Amsterdam: Otto Cramwinckel 1993 bis 1997 (mit Renée Vegt).
  • Entgrenzungen. Erinnerungen an Henk Prakke. Mit einer Bibliografie. Assen: van Gorcum 2000 (herausgegeben mit Arnulf Kutsch und Michael Schmolke).

Joan Hemels beim Deutschen Zeitungsmuseum (DZM) in Wadgassen, Saarland (Foto: DZM)

Zu seinem 65. Geburtstag ist Joan Hemels von Michael Schmolke (2009) als „fahrender Scholar“ geadelt worden. Wie kaum ein zweiter Fachvertreter hat der Niederländer zahlreiche Fachinstitute im deutschsprachigen Raum als Gastprofessor von innen kennengelernt. Hemels nutzte dabei zunächst die Kontakte zu Henk Prakke (1900 bis 1992), die in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre bei studentischen Exkursionen von Nijmegen nach Münster entstanden waren, und später dann die Freiräume, die sich aus seinem Vertrag an der Universität von Amsterdam ergaben (vgl. Hemels 2014). Wie sein Vorbild Prakke, der in seinem Promotionsverfahren als zweiter Prüfer wirkte, verstand sich Joan Hemels dabei als Brückenbauer zwischen den Niederlanden und Deutschland.

An die Universität ist Hemels wie viele seiner gleichaltrigen oder etwas älteren deutschen Fachkollegen über den Berufswunsch Journalist gekommen (vgl. Meyen/Löblich 2007). Er arbeitete als Freiberufler für die Presse, absolvierte dort auch eine entsprechende Ausbildung und studierte dann Geschichte an der Katholischen Universität Nijmegen, weil es seinerzeit in den Niederlanden noch nicht möglich war, regulär Journalistik oder Kommunikationswissenschaft zu belegen. Hemels promovierte zu einer kommunikationshistorischen Frage – in einem Themenfeld, in das später auch seine herausragenden Arbeiten fallen sollten (vgl. vor allem Hemels/Vegt 1993-97). Außerdem machte er sich in den Gebieten Religionskommunikation, Fachgeschichte, Hermeneutik und qualitative Methoden einen Namen. Seine akademische Karriere, die Joan Hemels in einem biografischen Interview anlässlich seines 70. Geburtstages anschaulich beschrieben hat (vgl. Hemels 2014), steht exemplarisch für den komplizierten Institutionalisierungsprozess der Kommunikationswissenschaft in den Niederlanden und in Belgien und ist so eine erstrangige Quelle für die Fachgeschichtsschreibung.

Literaturangaben

  • Joan Hemels: Ich habe immer versucht zu vermitteln. In: Michael Meyen/Thomas Wiedemann (Hrsg.): Biografisches Lexikon der Kommunikationswissenschaft. Köln: Halem 2014. http://blexkom.halemverlag.de/vermitteln/ (Datum des Zugriffs).
  • Joan Hemels/Renée Vegt: Het Geillustreerde Tijdschrift in Nederland (Illustrierte Zeitschriften in den Niederlanden, 3 Bände). Amsterdam: Otto Cramwinckel 1993 bis 1997.
  • Michael Meyen/Maria Löblich: „Ich habe dieses Fach erfunden“. Wie die Kommunikationswissenschaft an die deutschsprachigen Universitäten kam. 19 biografische Interviews. Köln: Herbert von Halem 2007.
  • Michael Schmolke: Fahrender Scholar. Joan Hemels zum 65. Geburtstag. In: Communicatio Socialis 42. Jg. (2009), Nr. 1, S. 101-102.

Weiterführende Literatur

  • Arnulf Kutsch/Stefanie Averbeck-Lietz/Heinz Eickmans (Hrsg.): Kommunikation über Grenzen. Studien deutscher Kommunikationswissenschaftler zu Ehren von Prof. Dr. Joan Hemels. Berlin: Lit 2014.

Empfohlene Zitierweise

          Michael Meyen: Joan Hemels. In: Michael Meyen/Thomas Wiedemann (Hrsg.): Biografisches Lexikon der Kommunikationswissenschaft. Köln: Herbert von Halem 2014. http://blexkom.halemverlag.de/joan-hemels/ (Datum des Zugriffs).