Heinz Pürer (Foto: Christian Pfaffinger)
Heinz Pürer (Foto: Christian Pfaffinger)

Heinz Pürer

13. August 1947

Lexikoneintrag von Nina Springer am 21. Juni 2013

Pürer gilt als Mittler zwischen Wissenschaft und Berufspraxis, als beliebter Hochschullehrer und einer der letzten Generalisten des Fachs. Seine akademische Laufbahn begann bereits während seiner Studienzeit am Salzburger Institut für Publizistik und Kommunikationstheorie (1969 bis 1973) als Hilfskraft für Günter Kieslich, der auch Pürers Doktorvater werden sollte.

Stationen

Geboren in Krumbach, Niederösterrreich. Sohn von Ernst (Ziegelfabrikant) und Friederike Pürer (Kindergärtnerin), römisch-katholisch. 1958 bis 1967 Realgymnasium in Wien. Matura 1967. Beginn eines Jura-Studiums an der Paris-Lodron-Universität Salzburg, nach einem Semester 1968 Wechsel ins Hauptfach Publizistik (Nebenfächer Politikwissenschaft und Philosophie). 1973 Promotion, Betreuer: Günter Kieslich (bis zu dessen Tod im Dezember 1971) und Franz Zöchbauer. 1973 bis 1979 wissenschaftlicher Assistent von Michael Schmolke. 1979 Mitbegründer und erster Leiter des österreichischen Kuratoriums für Journalistenausbildung (bis 1986), parallel Lehrbeauftragter am Institut für Publizistik und Kommunikationstheorie in Salzburg. 1984 kumulative Habilitation in Salzburg. Weitere Lehraufträge an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (1984 bis 1985) und der Universität Salzburg im Hochschullehrgang für Politische Bildung (Institut für Politikwissenschaft in Kooperation mit dem Zentrum für Wissenschaft und Weiterbildung Schloß Hofen, Vorarlberg; 1988 bis 2000). 1986 Berufung auf den zweiten Lehrstuhl des Instituts für Zeitungswissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München. Bis zur Emeritierung 2012 Mitglied des Fakultätsrats der Sozialwissenschaftlichen Fakultät. 1997 bis 1998 Studiendekan. 1994 bis 2012 Herausgeber der Schriftenreihe Forschungsfeld Kommunikation gemeinsam mit Walter Hömberg und Ulrich Saxer (bis 2002) bzw. Roger Blum (seit 2003). Träger des Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich für die Arbeit im und mit dem Kuratorium für Journalistenausbildung (1987) sowie des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst (2005). Langjähriger Dozent an der Bayerischen Akademie der Werbung. Seit 1975 verheiratet mit Maria Weiser (Prokuristin eines Handwerksbetriebs).

Publikationen

  • Kirchliche Jugendpublizistik in Österreich. Auszug in: Communicatio Socialis 7. Jg. (1974), Nr. 4, S. 137-152.
  • Einführung in die Publizistikwissenschaft. Fragestellungen, Theorienansätze, Forschungstechniken. München: Ölschläger 1978. Sechs Auflagen bis 1998.
  • Publizistik und Kommunikationswissenschaft. Ein Handbuch. Konstanz: UVK 2003. 2. Auflage Konstanz und München: UVK 2014. Überarbeitete Auskoppelungen: Grundbegriffe der Kommunikationswissenschaft. Konstanz: UVK 2015 (mit Nina Springer und Wolfgang Eichhorn); Journalismusforschung. Konstanz: UVK 2015; Medien in Deutschland. Presse, Rundfunk, Online. Konstanz: UVK 2015; Kommunikationswissenschaft als Sozialwissenschaft. Konstanz: UVK 2015 (Herausgeber); Empirische Methoden der Kommunikationswissenschaft. Konstanz: UVK 2015 (mit Nina Springer, Friederike Koschel, Andreas Fahr);  Rezipientenforschung. Konstanz: UVK 2016 (mit Helena Bilandzic, Friederike Koschel, Nina Springer).
  • Praktischer Journalismus in Zeitung, Radio und Fernsehen. Mit einer Berufs- und Medienkunde für Journalisten in Österreich. Salzburg: Kuratorium für Journalistenausbildung 1984. Fünf Auflagen (seit 1990 in Kooperation mit UVK; seit 2004 Praktischer Journalismus. Presse, Radio, Fernsehen, Online; herausgegeben mit Meinrad Rahofer und Claus Reitan).
  • Medien in Deutschland. Bd. 1: Presse. Konstanz: UVK 1994. Drei Auflagen (mit Johannes Raabe, seit 2007 Presse in Deutschland).
Günter Kieslich (Quelle: Publizistik 17. Jg.)

Günter Kieslich (Quelle: Publizistik 17. Jg.)

Pürer gilt als Mittler zwischen Wissenschaft und Berufspraxis, als beliebter Hochschullehrer und einer der letzten Generalisten des Fachs. Seine akademische Laufbahn begann bereits während seiner Studienzeit am Salzburger Institut für Publizistik und Kommunikationstheorie (1969 bis 1973) als Hilfskraft für Günter Kieslich, der auch Pürers Doktorvater werden sollte. Da es zu dieser Zeit in Österreich keinen Magister oder einen vergleichbaren Abschluss gab, wurden Absolventen ohne Zwischenschritt promoviert. Nach Kieslichs frühem Tod im Winter 1971 übernahm der Salzburger Medienpädagoge Franz Zöchbauer vertretungsweise alle anfallenden Aufgaben und wurde damit zugleich Referent für Pürers Dissertation. Nach der Promotion 1973 blieb Pürer unter Michael Schmolke als Assistent am Institut. Die Lehrer Kieslich, Schmolke und Zöchbauer sollten ihn nach eigenen Aussagen wesentlich in seinem (empirisch-sozialwissenschaftlich ausgerichteten) Fachverständnis prägen: Kieslich verstand Publizistikwissenschaft als moderne Gesellschaftswissenschaft, und Schmolke bekannte sich zu einem Theorien- und Methodenpluralismus; auf Pürers didaktische Herangehensweise hatte der Medienpädagoge Zöchbauer großen Einfluss. Da Pürer mit Kieslichs Tod bereits als Hilfskraft „gezwungenermaßen“ auch die Leitung eines Proseminars übernahm, entdeckte er noch während der Studienzeit seine Leidenschaft für die Lehre (Pürer 2004a: 275-276, 279; vgl. auch Früh 2012: 598).

Bereits mit Beginn seiner Tätigkeit als Hilfskraft am Salzburger Institut bildete sich ein Schwerpunkt aus, der Heinz Pürers gesamtes akademisches Werk durchziehen sollte wie ein roter Faden: die Journalismusforschung. In diesem Bereich arbeitete er seit dem ersten Forschungsprojekt – damals noch als Student über „Einstellungen und Verhaltensweisen von Redakteuren dreier Tageszeitungen in Salzburg“ (Fabris 1971) –, diesen Bereich hebt seine Venia Legendi hervor und er spiegelt sich auch in den aktuellsten Publikationen etwa zum Image von Journalisten (Pürer 2012). Zu Beginn seiner Laufbahn beschäftigte sich Pürer insbesondere mit Themen der Aus- und Weiterbildung und praktischen Berufsausübung, was vor dem Hintergrund seiner damaligen Tätigkeit als Leiter des Kuratoriums für Journalistenausbildung in Salzburg (1979 bis 1986) leicht zu verstehen ist. Diese Position brachte ihn auch zu der (vor allem seit den 1990er-Jahren) verstärkten Beschäftigung mit journalistischer Ethik und Verantwortung (vgl. Roloff 2012). Pürer (2004b) war stets der Meinung, dass Journalismus kein Begabungsberuf sei, was konsequenterweise zur Herausgabe eines Handbuchs Praktischer Journalismus führen musste, das seither als Standardwerk für die akademische Journalistenausbildung gilt (erste Auflage 1984).

Neben der Journalistik entwickelte Heinz Pürer bereits in seiner Assistenzzeit unter Michael Schmolke Interesse an der Mediensystem- und -Strukturforschung (politische Strukturen, ökonomische Zwänge, Funktionen der Massenmedien etc.). Unter anderem verantwortete er zu Beginn der 1970er-Jahre ein Forschungsprojekt zur „Struktur der Österreichischen Tagespresse“, das gemeinsam mit Wolfgang Vyslozil und Eckard K. Roloff unter der Mitarbeit der damaligen Studierenden Walter Hömberg und Irene Neverla realisiert wurde (Vyslozil et al. 1973, Roloff 2012: 615). Seit den 1980er-Jahren beschäftigte er sich verstärkt auch mit der Zukunft der Medien. Daraus resultierte ein zunehmendes Interesse an den Bereichen der Medieninhalte-, Mediennutzungs- und Medienwirkungsforschung. Die Diversifizierung erklärt eine berufliche Umorientierung: Zwischen 1979 und 1986 hatte Pürer sich der Leitung des Kuratoriums der Journalistenausbildung verschrieben, das wissenschaftliche Publizieren jedoch nie ausgesetzt und weiterhin Lehraufträge am Salzburger Institut wahrgenommen (vgl. Schmolke 2012: 27). 1986 wurde er dann auf einen Lehrstuhl für Allgemeine Kommunikationswissenschaft an die Münchner Ludwig-Maximilians-Universität berufen, an der er bis zu seiner Emeritierung 2012 lehrte. Durch das Profil des Neu-Berufenen glich die Ernennung für das Münchner Institut einer Richtungsentscheidung: Der in den 1970er-Jahren durch die Einrichtung eines Diplomstudiengangs Journalistik eingeschlagene Weg, „Praxisausbildung im Bereich der Medien an der Universität zu verankern, wurde mit der Verpflichtung eines Hochschullehrers, der über jahrelange Erfahrung im Bereich akademischer Journalistenausbildung verfügte, bestätigt“ (Eichhorn/Springer 2012: 22, vgl. auch Lacasa et al. 2012: 411, Pürer 2004a). Die Journalistenausbildung an der Universität sollte seiner Ansicht nach nicht durch die bloße Aufnahme von Praxiskursen in das Curriculum realisiert werden, sondern vor allem praktische Erfahrung mit theoretischer Reflexion verzahnen. Insbesondere in den 1980er- und 1990er-Jahren war Pürers didaktische Leidenschaft gefragt, hatte das Institut doch große Studierendenzahlen zu versorgen, mit der Kapazität weniger Dozenten (vgl. Pürer 1998).

Immer schon hatte Heinz Pürer sich selbst vor allem als Hochschullehrer gesehen (Pürer 2004a). Kaum verwunderlich, stammen aus seiner Feder neben dem Handbuch Praktischer Journalismus noch zwei zentrale Lehrbücher des Fachs: Das Handbuch Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (sechs Auflagen) sowie Presse in Deutschland (drei Auflagen, gemeinsam mit Johannes Raabe). Die fortlaufenden Aktualisierungen verhalfen ihm zum Ruf, einer der (letzten) „Generalisten“ des Fachs zu sein – Pürers wesentliches Bestreben, versuchte er damit doch unablässig der Widmung seiner Professur „Allgemeine Kommunikationswissenschaft“ gerecht zu werden.

Literaturangaben

  • Wolfgang Eichhorn/Nina Springer: Medien und Journalismus im Spannungsfeld von Tradition und Wandel. In: Nina Springer/Johannes Raabe/Hannes Haas/Wolfgang Eichhorn (Hrsg.): Medien und Journalismus im 21. Jahrhundert. Herausforderungen für Kommunikationswissenschaft, Journalistenausbildung und Medienpraxis. Konstanz: UVK 2012, S. 15-23.
  • Hans H. Fabris: Das Selbstbild von Redakteuren bei Tageszeitungen. Eine explorative Studie über Einstellungen und Verhaltensweisen von Redakteuren dreier Tageszeitungen in Salzburg. Salzburg: Institut für Publizistik und Kommunikationstheorie 1971.
  • Werner Früh: Die Qualitativ-quantitativ-Kontroverse. Anmerkungen zu einem alten Thema. In: Nina Springer/Johannes Raabe/Hannes Haas/Wolfgang Eichhorn (Hrsg.): Medien und Journalismus im 21. Jahrhundert. Herausforderungen für Kommunikationswissenschaft, Journalistenausbildung und Medienpraxis. Konstanz: UVK 2012, S. 597-610.
  • Ivan Lacasa/Michael Meyen/Thomas Wiedemann: Akademische Journalistenausbildung in Spanien. Folgen der Bologna-Reform für das Ausbildungsangebot der Kommunikationswissenschaft. Ebd., S. 411-424.
  • Eckart Roloff: Mittler zwischen Wissenschaft und Praxis. Streifzüge durch Heinz Pürers Werk von 1972 bis heute. Ebd., S. 613-623.
  • Heinz Pürer: Es liegt an den Studenten, vom Angebot Gebrauch zu machen. In: Süddeutsche Zeitung, 15. Dezember 1998, S. 11.
  • Heinz Pürer: Ich sehe mich eher als Lehrer. In: Michael Meyen/Maria Löblich (Hrsg.): 80 Jahre Zeitungs- und Kommunikationswissenschaft in München. Bausteine zu einer Institutsgeschichte. Köln: Herbert von Halem 2004a, S. 271-280.
  • Heinz Pürer: Warum ich ein Lehrbuch für Journalisten erarbeitete. Journalismus ist kein Begabungsberuf. In: Der österreichische Journalist 17. Jg. (2004b), Nr. 2 (=Sonderbeilage 25 Jahre KfJ. Eine Bilanz der Journalistenausbildung in Österreich).
  • Heinz Pürer: Das Image von Journalisten. Prämissen und empirische Erkenntnisse. In: Communicatio Socialis 45. Jg. (2012), Nr. 3, S. 258-275.
  • Michael Schmolke: Die neuen Medien waren keine neuen Medien. Unscharfe Blicke ins 21. Jahrhundert. In: Nina Springer/Johannes Raabe/Hannes Haas/Wolfgang Eichhorn (Hrsg.): Medien und Journalismus im 21. Jahrhundert. Herausforderungen für Kommunikationswissenschaft, Journalistenausbildung und Medienpraxis. Konstanz: UVK 2012, S. 27-45.
  • Wolfgang Vyslozil/Heinz Pürer/Eckard K. Roloff: Die Struktur der Österreichischen Tagespresse 1971. Sonderheft „Information und Meinung“. St. Pölten 1973.
  • Elisabeth Wasserbauer: Stark und schlau. Wie Weiterbildung Journalisten unterstützt. In: Nina Springer/Johannes Raabe/Hannes Haas/Wolfgang Eichhorn (Hrsg.): Medien und Journalismus im 21. Jahrhundert. Herausforderungen für Kommunikationswissenschaft, Journalistenausbildung und Medienpraxis. Konstanz: UVK 2012, S. 433-446.

Weiterführende Literatur

  • Michael Meyen: Heinz Pürer 60 Jahre. In: Publizistik 52. Jg. (2007), S. 400.
  • Michael Meyen/Maria Löblich (Hrsg.): 80 Jahre Zeitungs- und Kommunikationswissenschaft in München. Bausteine zu einer Institutsgeschichte. Köln: Herbert von Halem 2004.
  • Nina Springer/Johannes Raabe/Hannes Haas/Wolfgang Eichhorn (Hrsg.): Medien und Journalismus im 21. Jahrhundert. Herausforderungen für Kommunikationswissenschaft, Journalistenausbildung und Medienpraxis. Konstanz: UVK 2012 (= Festschrift für Heinz Pürer).

Weblinks

Empfohlene Zitierweise

    Nina Springer: Heinz Pürer. In: Michael Meyen/Thomas Wiedemann (Hrsg.): Biografisches Lexikon der Kommunikationswissenschaft. Köln: Herbert von Halem 2013. http://blexkom.halemverlag.de/heinz-purer/ (Datum des Zugriffs).