Christian Padrutt (Quelle: Archiv des Instituts für Publizistikwissenschaft und Medienforschung Zürich)

Christian Padrutt

22. März 1934 bis 19. Juli 1975

Lexikoneintrag von Giulia Beskid am 3. April 2018

Christian Padrutts früher Tod erschütterte die noch wenig gefestigte schweizerische Publizistikwissenschaft. Als Historiker, Journalist und Zeitungswissenschaftler verstand Padrutt es, Theorie und Praxis im Zuge der sozialwissenschaftlichen Wende zu vereinen.

Stationen

Geboren in Chur (Graubünden). Vater Postangestellter. 1954 Studium der Geschichte, Volkskunde und Zeitungswissenschaft an der Universität Zürich. Promotion bei Marcel Beck. Post-Graduate-Studium der Zeitungswissenschaft in München. 1960 Assistent am Journalistischen Seminar unter der Leitung von Siegfried Frey. Parallel Redakteur des Bündner Monatsblatts. 1962 Chefredakteur des Freien Rätiers in Chur. 1965 Gründer und bis 1970 Leiter der Schweizerischen Ärzte-Information. 1966 Lehrbeauftragter für Publizistik an der Universität Zürich. 1968 Habilitation in Zürich. 1969 Assistenzprofessur und Leitung des Publizistischen Seminars. 1970 Lehrbeauftragter an der Handelshochschule St. Gallen. 1973 Außerordentlicher Professor für Publizistik an der Universität Zürich. Verheiratet mit Dorothee Farner.

Publikationen

  • Staat und Krieg im alten Bünden. Zürich: Fretz und Wasmuth 1965 (Dissertation).
  • Der Leitartikel. Ein Beitrag zum Problem des Räsonnements in der deutschschweizerischen Presse 1968 (nicht publizierte Habilitation).
  • Streiflichter auf die Geschichte der Schweizer Presse 1868-1968. In: NEUE ZÜRCHER ZEITUNG. 100 Jahre Aktiengesellschaft für die Neue Zürcher Zeitung. Zürich (1968).
  • Zürich 1903-1970: Mühsamer Weg. In: Deutsche Gesellschaft für Publizistik- und Zeitungswissenschaft (Hrsg.): Publizistik, Zeitungswissenschaft, Communication Research, Journalism. Konstanz: UVK 1970, S. 97-105.

Christian Padrutt leitete das Journalistische Seminar an der Universität Zürich in der kurzen Zeit von 1969 bis 1975 (Meyen/Löblich 2006: 225). Er richtete die Publizistikwissenschaft an der Universität Zürich sachlich, methodisch und theoretisch neu aus und ließ 1973 das Journalistische Seminar in Publizistisches Seminar umbenennen. Dadurch sollte vor dem Hintergrund der sozialwissenschaftlich-empirische Wende der Theoriebezug in der Lehre stärker gewichtet werden (Schade 2005: 15).

Sein früher Tod überschattete die nächsten Jahre des Seminars (Bonfadelli 2017: 298). Man verlor nicht nur einen „überragenden Förderer von großer Tatkraft“ (Saxer 1975: 809), sondern Padrutt hinterließ auch eine „wenig gefestigte schweizerische Publizistikwissenschaft“ (Saxer 1975: 809).

Der professionelle und akademische Werdegang des Historikers und Pressepraktikers Padrutt passt zu den Mustern, die Michael Meyen und Maria Löblich (2007) von der Generation der Jungtürken in der Kommunikationswissenschaft gezeichnet haben. Laut Saxer „verstand er es Theorie und Praxis, Wissenschaft und Politik, historischen Sinn und Zukunftsbewusstsein gekonnt zu vereinigen“ (Saxer 1975: 809). Er begann schon während seiner Schulzeit journalistisch tätig zu sein. Nach seinem Studium war er Redakteur und Chefredakteur, unter anderem beim Bündner Monatsblatt sowie beim Publicissimus (Brüderli/Buchmann 1974: 60). Wie nicht wenige Fachvertreter seiner Generation begann Padrutt seine akademische Laufbahn mit einem historischen Thema. Er promovierte bei Marcel Beck über Staat und Krieg im Alten Bünden (vgl. Padrutt 1965). Padrutt absolvierte auch ein Zweitstudium der Zeitungswissenschaft in München, welches „unter anderem seine nie verleugnete Sympathie für den dortigen kommunikationalen Ansatz begründete“ (Saxer 1975: 809).

Literaturangaben

  • Edzard Schade (Hrsg.): Publizistikwissenschaft und öffentliche Kommunikation. Beiträge zur Reflexion der Fachgeschichte. Konstanz: UVK 2005.
  • Heinz Bonfadelli: Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in der Schweiz. „Uses-and-Gratifications“ und „Europäische Öffentlichkeit“. In Stefanie Averbeck-Lietz (Hrsg.): Kommunikationswissenschaft im internationalen Vergleich. Transnationale Perspektiven. Wiesbaden: Springer VS 2017, S. 297-313.
  • Michael Meyen/Maria Löblich: Klassiker der Kommunikationswissenschaft. Fach- und Theoriegeschichte in Deutschland. Konstanz: UVK 2006.
  • Michael Meyen/Maria Löblich: „Ich habe dieses Fach erfunden“. Wie die Kommunikationswissenschaft an die deutschsprachigen Universitäten kam. 19 biografische Interviews. Köln: Herbert von Halem 2007.
  • Christian Padrutt: Staat und Krieg im alten Bünden. Zürich: Fretz und Wasmuth 1965.
  • Ulrich Saxer: Christian Padrutt. In: Publizistik 20. Jg. (1975), S. 809-810.
  • Silvia Brüderli/Marlies Buchmann: Johann Ulrich Saxers Bemühungen um die Publizistik sowie Christian Padrutt, ein Mann im Sog unserer Zeit. Zwei Porträts als Beispiele für das Elend der bürgerlichen Publizistik, April 1974. In: Schweizerisches Sozialarchiv, KS 335/41d-8, Seite 60.

Weiterführende Literatur

  • Walter Hättenschwiller: Der Tod von Christian Padrutt. In: Publicissimus (2001), S. 14-16.
  • Adolf Collenberg: Historisches Lexikon der Schweiz. Christian Padrutt.

Empfohlene Zitierweise

Giulia Carla Beskid: Christian Padrutt. In: Michael Meyen/Thomas Wiedemann (Hrsg.): Biografisches Lexikon der Kommunikationswissenschaft. Köln: Herbert von Halem 2018. http://blexkom.halemverlag.de/christian-padrutt/ (Datum des Zugriffs).