Barbara Thomaß (Foto: B. Schäfer)

Barbara Thomaß

12. Januar 1957

Lexikoneintrag von Christoph Wiesel am 1. Februar 2018

Barbara Thomaß zählt zu den wichtigsten Experten der international vergleichenden Mediensystemanalyse. Über Journalistenausbildung und Medienaufsicht wirkt sie auch auf die journalistische Praxis ein.

Stationen

Geboren in Bremen. 1976 Studium in Berlin (Publizistik, Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre). 1983 Magister und Volontariat bei den Lübecker Nachrichten, anschließend freie Journalistin und Redakteurin (unter anderem beim NDR-Hörfunk). 1991 wissenschaftliche Mitarbeiterin in Hamburg, Lehraufträge an Universitäten (Hamburg, Bremen, Lüneburg) und Aus-/Weiterbildungseinrichtungen für Journalismus (unter anderem am European Journalism Centre in Maastricht). 1998 Promotion. 2000 bis 2003 Habilitationsstipendium der DFG. Gastprofessur in Wien (2002) und Vertretungsprofessur in Bochum (2003). 2003 Professur in Bochum (Mediensysteme im internationalen Vergleich). 2006 bis 2008 Geschäftsführende Direktorin in Bochum. 2008 Mitglied im ZDF-Fernsehrat. 2009 Vorstandsvorsitzende der Akademie für Publizistik in Hamburg. 2012 Wechsel in den ZDF-Verwaltungsrat. Verheiratet.

Publikationen

  • Journalistische Ethik. Ein Vergleich der Diskurse in Frankreich, Großbritannien und Deutschland. Opladen: Westdeutscher Verlag 1998 (Dissertation).
  • Medien und Transformation in Osteuropa. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2001 (herausgegeben mit Michaela Tzankoff).
  • Mediensysteme im internationalen Vergleich. Konstanz: UVK 2007 (Herausgeberin, zwei Auflagen).

Barbara Thomaß ist eine Spezialistin für den internationalen Vergleich von Mediensystemen und Journalismus. Bekannt wurde sie im Fach insbesondere durch einen Sammelband mit dem Titel Mediensysteme im internationalen Vergleich, den sie 2007 als Herausgeberin veröffentlichte. Damit erfüllte Thomaß die „verdienstvolle, weil einer Pionierarbeit gleichkommende Aufgabe“, ein Lehrbuch zur vergleichenden Mediensystemanalyse vorzulegen (Seethaler 2008: 302). Inzwischen zählt es an deutschen Universitäten zu den Standardwerken der Kommunikationswissenschaft.

In ihren eigenen Arbeiten widmet sich Thomaß besonders den Mediensystemen in Ost- und Westeuropa. Dieses Gebiet erschloss sie sich bereits früh (Neverla 2004: 87). Den Einstieg verschaffte ihr 1991 die von Hans J. Kleinsteuber geleitete Arbeitsstelle Medien und Politik der Universität Hamburg, wo sie vergleichende Forschungsprojekte unter anderem zur europäischen Medienpolitik und den Auswirkungen der Marktöffnung im Fernsehen durchführte. Kleinsteuber prägte sie in dieser Zeit als „Mentor, Vorbild und Freund“ (Thomaß 2012: 233). 1998 promovierte sie bei ihm mit einer Studie zur journalistischen Ethik in Frankreich, Großbritannien und Deutschland und baute anschließend den Studiengang Journalistik und Kommunikationswissenschaft in Hamburg mit auf. Ein DFG-gefördertes Habilitationsvorhaben zum dualen System in vier Ländern schloss sie wegen einer Berufung nach Bochum nicht ab (Neverla 2004: 87).

Die internationale Perspektive, die in jeder Veröffentlichung von Barbara Thomaß zu erkennen ist, zeigt sich auch auf institutioneller Ebene. So lehrte sie als Dozentin vor dem Ruf nach Bochum unter anderem in Paris und Maastricht. Forschungsaufenthalte führten sie nach Italien, Großbritannien und Frankreich (Neverla 2004: 87). Darüber hinaus leitete Thomaß internationale Forschungsvorhaben wie das EU-geförderte Projekt „Media, Conflict and Democratisation“, bei dem Forschergruppen aus sechs Ländern die Rolle der Medien bei politischen Umbrüchen untersuchten.

Barbara Thomaß zeichnet eine starke Verbindung zur journalistischen Praxis aus, vorwiegend durch ihre Tätigkeiten in der Journalistenausbildung in Deutschland und im europäischen Ausland sowie in der Medienaufsicht. 2008 wurde sie in den ZDF-Fernsehrat berufen (als Vertreterin von der Gewerkschaft Verdi). Später wechselte sie in den ZDF-Verwaltungsrat.

Literaturangaben

  • Irene Neverla: Barbara Thomaß, Ruhr-Universität Bochum. In: Publizistik 49. Jg. (2004), S. 86-87.
  • Josef Seethaler: Rezension zu Barbara Thomaß (Hrsg.): Mediensysteme im internationalen Vergleich. In: Publizistik 53. Jg. (2008), S. 302-303.
  • Barbara Thomaß: Hans J. Kleinsteuber (5.6.1943 – 18.2.2012). In: Publizistik 57. Jg. (2012), S. 233-234.

Weblinks

Empfohlene Zitierweise

Christoph Wiesel: Barbara Thomaß. In: Michael Meyen/Thomas Wiedemann (Hrsg.): Biografisches Lexikon der Kommunikationswissenschaft. Köln: Herbert von Halem 2018. http://blexkom.halemverlag.de/barbara-thomass/ (Datum des Zugriffs).