Barbara Pfetsch (Foto: privat)
Barbara Pfetsch (Foto: privat)

Barbara Pfetsch

26. November 1958

Lexikoneintrag von Alexis Mirbach am 3. März 2014

Barbara Pfetsch steht für international vergleichende sowie interdisziplinäre Forschung und lebt die globale Vernetzung von Wissenschaft seit ihren Studientagen. Von 2004 bis 2012 hat sie das Fach im DFG-Fachkollegium Sozialwissenschaften vertreten.

Stationen

Geboren in Laichingen. Vater Kaufmann. 1977 Volontariat bei der Schwäbischen Zeitung. 1979 Studium an der Universität Mannheim (Politikwissenschaft, Germanistik, Amerikanistik). 1983 Fulbright-Stipendium (University of California, Los Angeles). 1985 Magister. Wissenschaftliche Mitarbeiterin in Mannheim. 1991 Promotion in Politikwissenschaft (Doktorvater: Max Kaase). Postdoctoral Fellow an der Georgetown University in Washington, D.C. 1992 Hochschulassistentin für Politikwissenschaft in Mannheim. 1994 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (Abteilung Öffentlichkeit und Soziale Bewegungen). 2001 Professorin für Kommunikationswissenschaft, insbesondere Medienpolitik an der Universität Hohenheim. 2002 Habilitation an der Freien Universität Berlin (Kommunikationswissenschaft). 2005 Ruf auf eine Professur für Vergleichende Kommunikationswissenschaft an der Universität Zürich (abgelehnt). Seit 2008 Professorin für Kommunikationswissenschaft, Kommunikationstheorie und Medienwirkungsforschung an der FU Berlin. 1997 und 2006/07 Fellow an der  Harvard University, 2012/13 an der Stanford University. 2004 bis 2012 gewähltes Mitglied im DFG-Fachkollegium für Sozialwissenschaften, 2008 bis 2012 Sprecherin. 2004 bis 2012 Wissenschaftlicher Beirat der Bundeszentrale für politische Bildung, 2010 bis 2012 Vorsitzende. 2012 Gastgeberin der DGPuK-Jahrestagung in Berlin. Verheiratet, ein Sohn.

Publikationen

  • Politische Folgen der Dualisierung des Rundfunksystems in der Bundesrepublik Deutschland. Konzepte und Analysen zum Fernsehangebot und zum Publikumsverhalten. Baden-Baden: Nomos 1991 (Dissertation).
  • Politische Kommunikationskultur. Politische Sprecher und Journalisten in der Bundesrepublik und den USA im Vergleich. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2003 (Habilitation).
  • Die Stimme der Medien: Pressekommentare und politische Öffentlichkeit in der Bundesrepublik. Wiesbaden: VS Verlag 2004 (mit Christiane Eilders und Friedhelm Neidhardt).
  • Comparing Political Communication: Theories, Cases, and Challenges. New York: Cambridge University Press 2004 (herausgegeben mit Frank Esser).
  • Massenmedien als politische Akteure. Konzepte und Analysen. Wiesbaden: VS Verlag 2008 (herausgegeben mit Silke Adam).
  • Political Communication Cultures in Western Europe. Attitudes of Political Actors and Journalists in Nine Countries. Houndsmills: Palgrave Macmillan 2014 (Herausgeberin und Autorin).
  • Politische Kommunikation und Demokratische Öffentlichkeit. Baden-Baden: Nomos. Seit 2010 (Schriftenreihe, herausgegeben mit Frank Marcinkowski und Gerhard Vowe).

Wie viele ihrer älteren Kollegen aus der Generation der „Jungtürken“ (vgl. Meyen/Löblich 2007) ist Barbara Pfetsch über den Journalismus in die Kommunikationswissenschaft gekommen. Nach einem zweijährigen Volontariat bei der Schwäbischen Zeitung studierte sie zwar Politikwissenschaft (ein Fach, mit dem sie sich „inhaltlich qualifizieren konnte“), träumte aber zunächst weiter „von einer großen journalistischen Karriere“. Während ihres Studiums in Mannheim belegte sie alle Veranstaltungen, die „auch nur im Entferntesten etwas mit Kommunikation und Medien“ zu tun hatten, und arbeitete als „Medien-Hiwine“ am Mannheimer Lehrstuhl für Politikwissenschaft und international vergleichende Sozialforschung bei Max Kaase (Pfetsch 2011: 189-190), wo sie dann auch promovierte.

Neben diesem Quereinstieg über die Politikwissenschaft und die empirische Sozialforschung gibt es zwei weitere Besonderheiten in der akademischen Laufbahn von Barbara Pfetsch. Zum einen forscht sie regelmäßig an renommierten Universitäten in den USA. Das entsprechende Interesse wurde schon in der Studienzeit geweckt (durch einen Aufenthalt an der University of California in Los Angeles, finanziert über ein Fulbright-Stipendium) und erklärt nicht nur ihr Habilitationsthema (vgl. Pfetsch 2003), sondern auch den Schwerpunkt in der international vergleichenden politischen Kommunikationsforschung (vgl. Esser/Pfetsch 2004). Zum anderen hat Barbara Pfetsch lange an einer außeruniversitären Forschungseinrichtung gearbeitet. Das Wissenschaftszentrum Berlin war in den 1990er-Jahren ein Vorreiter in der Forschung zur politischen Öffentlichkeit. Für diese Ausrichtung stehen neben Friedhelm Neidhardt und Jürgen Gerhards  unter anderem die Kommunikationswissenschaftlerinnen Christiane Eilders und Barbara Pfetsch.

Die Vernetzung in den sozialwissenschaftlichen Disziplinen, die in den Mannheimer und Berliner Jahren wurzelt, die internationale Ausrichtung und die hohe Anerkennung, die die Forschung von Barbara Pfetsch über die Fachgrenzen hinaus erfahren hat, haben sie zu einer Multifunktionärin werden lassen. Unter den vielen herausgehobenen Positionen, die Barbara Pfetsch in der Wissenschaft selbst und als Vertreterin der Wissenschaft in politischen Gremien bekleidet hat, ragt ihre Rolle als Sprecherin des DFG-Fachkollegiums für Sozialwissenschaften  heraus.

Literaturangaben

Weiterführende Literatur

  • Klaus Beck: Berufungen – Alexander Görke/Barbara Pfetsch/Margreth Lünenborg, Freie Universität Berlin. In: Publizistik 54. Jg. (2009), S. 560-561.
  • Michael Schenk: Dr. Barbara Pfetsch auf die neu eingerichtete C3-Professur für Kommunikationswissenschaft/Medienpolitik an der Universität Hohenheim berufen. In: Publizistik 46. Jg. (2001), S. 442-443.

Weblinks

Empfohlene Zitierweise

      Alexis Mirbach: Barbara Pfetsch. In: Michael Meyen/Thomas Wiedemann (Hrsg.): Biografisches Lexikon der Kommunikationswissenschaft. Köln: Herbert von Halem 2014. http://blexkom.halemverlag.de/barbara-pfetsch/ (Datum des Zugriffs).