Kurt Paupié (Foto: Roland Burkart)
Kurt Paupié (Foto: Roland Burkart)

Kurt Paupié

20. August 1920 bis 6. Dezember 1981

Lexikoneintrag von Martina Thiele am 9. Mai 2015

Kurt Paupié zählte zur ersten Generation derjenigen, die sich im Fach Zeitungswissenschaft habilitiert haben. Angesichts seiner NS-Vergangenheit bedeutete seine Berufung ans Wiener Fachinstitut aber eine weitere Verzögerung des dort seit 1945 nötigen Neuanfangs.

Stationen

Geboren in Linz, Medizinstudium in Bonn und Graz, Einberufung zur Wehrmacht, dort Sanitäter. Nach Kriegsende Mitarbeiter beim Sender „Rot-Weiß-Rot“ und Studium der Zeitungswissenschaft und Geschichte an der Universität Wien. 1948 Privatassistent Eduard Ludwigs, des Vorstandes des Wiener Instituts für Zeitungswissenschaft und Politikers der ÖVP. 1949 wissenschaftliche Hilfskraft und Promotion, 1954 „nicht ständiger“ Hochschulassistent. 1956 Einreichung der Habilitationsschrift, 1962 Erteilung der venia legendi. 1969 Berufung zum ordentlichen Professor für Zeitungswissenschaft an der Universität Wien und Institutsvorstand. Gestorben in Klosterneuburg.

Publikationen

  • Moritz Szeps. Werk, Persönlichkeit und Beziehung zum Kaiserhaus. Dissertation, Universität Wien 1949.
  • Die Nachricht als Funktionsmittel menschlicher Kommunikation. Nachgewiesen anhand der optischen Erscheinungsform der Zeitung. Habilitationsschrift, Universität Wien 1956.
  • Handbuch der österreichischen Pressegeschichte. Bd. 1: 1848-1959. Wien: Braumüller 1960. Bd. 2: Die zentralen pressepolitischen Einrichtungen des Staates. Wien: Braumüller 1966.

Kurt Paupié schloss sich schon als Schüler den damals in Österreich noch illegalen Nationalsozialisten an, hat sich nach 1945 aber als politisch unbelastet dargestellt und seine Mitgliedschaft in NS-Organisationen nicht zugegeben. Eine geistige Nähe zur nationalsozialistischen Ideologie ist in seinen Werken dennoch erkennbar, auch verdanken ihm einige deutschnational gesinnte Studierende einen akademischen Abschluss (vgl. Duchkowitsch 2010: 544ff.). Paupié selbst promovierte 1949 mit einer Arbeit über Moritz Szeps (1835 bis 1902), Verleger des liberalen Neuen Wiener Tagblattes. Nachdem der erste Band seines Handbuchs der österreichischen Pressegeschichte vorlag (vgl. Paupié 1960), erhielt er 1962 die venia legendi und gehörte damit zur ersten Generation derjenigen, die sich im Fach Zeitungsgeschichte habilitiert haben. Bei der Bewerbung um die Wiener Lehrkanzel für Zeitungswissenschaft konnte er sich gegen Karl Oswin Kurth und Marianne Lunzer-Lindhausen durchsetzen und wurde somit 1969 zugleich der erste im Fach habilitierte österreichische Publizistikprofessor. Geholfen haben dabei auch die Gutachten und Rezensionen von René Marcic und Wilmont Haacke. Gleichwohl verzögerten Personalentscheidungen wie diese den längst überfälligen Neuanfang des 1939 gegründeten Instituts für Zeitungswissenschaft.

Bis zum seinem Tod im Jahr 1981 blieb Kurt Paupié Institutsvorstand. In diese Zeit fielen die Umbenennung des Fachstandorts Wien in Institut für Publizistik, später für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie der Übergang hin zu einem breiteren Verständnis von Kommunikationswissenschaft als Sozialwissenschaft. Diese Neuorientierung verdankte sich vor allem der steigenden studentischen Nachfrage nach kommunikationswissenschftlicher Ausbildung und dem Generationenwechsel. Paupié blieb jedoch bei seinen Forschungsschwerpunkten Pressegeschichte und Kommunikationspolitik. Sein wissenschaftliches Werk ist übeschaubar und was seine didaktischen Fähigkeiten anbelangt, schrieb Maximilian Gottschlich (1982: 180) in seinem Nachruf für die Publizistik, mit Paupié habe „das Fach keinen strahlenden und angestrahlten Lehrer verloren“. Positiv wertet Gottschlich Paupiés Toleranz gegenüber neueren fachlichen Entwicklungen und individuellen Interessen der Studierenden sowie Kolleginnen und Kollegen (vgl. Gottschlich 2011) – eine Toleranz, die möglicherweise mit seiner Furcht vor der Enthüllung seiner NS-Vergangenheit zusammenhing.

Literaturangaben

  • Wolfgang Duchkowitsch: Zeitungswissenschaft in der universitas litterarum. Ausrichtung und Funktion des Instituts für Zeitungswissenschaft. In: Mitchell G. Ash/Wolfram Nieß/Ramon Pils (Hrsg.): Geisteswissenschaften im Nationalsozialismus Das Beispiel der Universität Wien. Wien: Vienna University Press 2010, S. 521-549.
  • Maximilian Gottschlich: Kurt Paupié. Nachruf. In: Publizistik 37 Jg. (1982), S. 179-180.
  • Maximilian Gottschlich: Erinnerung an Kurt Paupié (1920-1981). In: Newsletter des Instituts für Publizistik- und Komunikationswissenschaft. Universität Wien 2011.
  • Kurt Paupié: Handbuch der österreichischen Pressegeschichte. Bd. 1: 1849-1959. Wien: Braumüller 1960.

Weiterführende Literatur

  • Wolfgang Duchkowitsch: Von Karl Oswin Kurth zu Kurt Paupié. Eine Geschichte ideologischer Konformität? In: Wolfgang Duchkowitsch/Fritz Hausjell, Bernd Semrad (Hrsg.): Die Spirale des Schweigens. Zum Umgang mit der nationalsozialistischen Zeitungswissenschaft. Wien: Lit 2004, S. 235-247.
  • Katharina Kniefacz: Zeitungswissenschaft in Wien 1900-1945. Die Institutionalisierung im Kontext der deutschsprachigen Fachentwicklung. Magistraarbeit. Universität Wien 2008.

Weblink

Empfohlene Zitierweise

    Martina Thiele: Kurt Paupié. In: Michael Meyen/Thomas Wiedemann (Hrsg.): Biografisches Lexikon der Kommunikationswissenschaft. Köln: Herbert von Halem 2015. http://blexkom.halemverlag.de/kurt-paupie/ ‎(Datum des Zugriffs).